Josef – unerwartet anders

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„Tu dich auf, o Erde und sprosse den Heiland hervor!“ (Vgl. Jes 45.8) Im Buch Jesaja wird uns der Heiland, also Jesus angekündigt. Sprachlich für uns sehr fremd gleichzeitig bildlich, intensiv und stark. Jesu Start im mütterlichen Leib Marias ist aber zuerst mal nicht so gesellschaftsfähig. Die sehr junge Maria wird schwanger mit Jesus. Ihr Partner Josef weiß nicht von wem… Etwas Unerwartetes kann einen auch ganz schön erschrecken und irritieren. So geht es Josef: er weiß nur, dass dieses Kind nicht von ihm ist. Ein Zusammenbleiben mit Maria würde sich sehr kompliziert in dieser Zeit gestalten. Eine nicht geplante Schwangerschaft mit einem anderen Partner bleibt keine Privatsache.
Er sieht seine schwangere Maria. Er liebt sie, möchte sie nicht bloßstellen und beschließt deshalb zu gehen. Leise will er gehen – kein Aufsehen.
Die Bibel erzählt uns relativ wenig von Josef. Im Abschnitt des Matthäusevangelium (Mt 1,18-24) für den vierten Adventssonntag steht unter anderem sein Denken, seine aufrechte Haltung und sein daraus resultierendes Handeln im Vordergrund. Es kommt für Josef unerwartet anders.
Josef hat nicht mit Gott und seinem Auftrag für ihn gerechnet. Er schickt ihm im Traum einen Engel, der ihm erklärt, dass Marias Kind Gottes Sohn ist, der Retter der Welt. Er soll für sie und das Kind sorgen. Der Engel sagt Josef zu Beginn: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen!“ Josef hat genau zugehört und darüber nachgedacht. Er ist zu einer eigenen Entscheidung gekommen: Er bleibt bei Maria, weil Gott für alles sorgt, braucht er selbst in dieser kritischen und sehr prekären Situation keine Angst zu haben. Josef vertraut ihm und bleibt bei Maria und ihrem Kind. Welch aufrichtige Haltung. Das ist stark. Josef steht zu ihr. Es ist für mich ein sehr ermutigendes Evangelium: genau hinzuhören und damit sensibel zu sein für Gottes Plan. Haltung zeigen, auch wenn die Gesellschaft eine andere Haltung hat.
Es gibt so viele ungerechte oder schwierige Situationen, in denen man sich einsetzen kann. Manchmal ist es im Kleinen, manchmal ist es im Großen, für das man sich stark macht: Politisches Engagement, hinzuhören und zu schauen, wer für was tatsächlich steht...  „Da bleiben“ trotz aller Widerstände, Unannehmlichkeiten, Kritik und Gegenwehr. Und dann unerwartet anders zu handeln. So wie Josef mutig zu sein, Gott zu vertrauen und seinem menschgewordenen Sohn – dem Heiland, der uns „heil“, „gesund“, „ganz“ werden lässt.
Alle vier Kerzen am grünen runden Adventskranz sind angezündet und strahlen uns an und machen uns sichtbar: In Kürze feiern wir die Geburt Jesu – des Heilands. Gott kommt unerwartet anders in die Welt. Als Kind im Stall vor den Toren der Stadt. Er zeigt uns, dass wir mutig, stark und hoffnungsvoll sein dürfen egal, welche unvorstellbaren Aufgaben da sind oder kommen werden. Unerwartetes kann manchmal erst sichtbar werden, wenn man durchhält, Haltung zeigt. Gott kommt unerwartet anders an Weihnachten. Schauen wir hin und zeigen Haltung.
Allen ein gesegnetes und kraftvolles Weihnachtsfest.

Martina Jäger
Gemeindereferentin
Seelsorgeeinheit Neckar-Aich