Heute einen Krieg beenden

©Hofmann

Protestantische Christen begehen am Mittwoch vor Totensonntag den Buß- und Bettag. „Heute einen Krieg beenden“ - so lautete das Motto der Evangelischen Kirche für diesen ehemaligen Feiertag im Jahr 2018. Doch wie beendet man einen Krieg? Dadurch dass man den Gegner gewaltsam in die Knie zwingt? Dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte bis zum heutigen Tag. Oder endet ein Konflikt dadurch, dass ich mich selbst darauf besinne, was mein Anteil an dem Streit sind, dass auch die andere Sicht Wahrheit beinhaltet, dass wir gemeinsam Wege suchen und finden, die Zukunft haben?
Ich weiß nicht woran Sie jetzt bei diesem Motto denken.  In kriegerische Handlungen sind wir in Deutschland derzeit Gott sei Dank nicht einbezogen. Konflikte haben wir dagegen zuhauf in unserer Gesellschaft: Der Klimawandel, bezahlbaren Wohnraum, Gewaltaufrufe und hasserfüllte Kommunikation in den sozialen Netzwerken, um nur einige zu nennen. Ursprünglich eingesetzt und gefeiert wurde der Buß- und Bettag von einer protestantisch geprägten Obrigkeit als religiöse Antwort auf landesweite Notsituationen oder Gefahren.  Doch wer käme schon auf die Idee, anlässlich des Klimawandels einen nationalen Buß- und Bettag auszurufen? Dabei stände es uns gut an. Denn die junge Generation ruft uns nicht erst seit Greta Thunberg zu: Wir müssen später einmal büßen, was ihr uns heute einbrockt. Doch mit einem Buß-und Bettag allein ist es nicht getan. Es bedarf eines grundsätzlichen Umdenkens. Und das ist eigentlich auch mit Buße gemeint: Erkennen, dass etwas schiefläuft, umdenken und dann „umkehren“, sein Verhalten ändern. Buße tun heißt für mich beispielsweise: Nicht mehr so gedankenlos einkaufen wie früher, sondern viel mehr Aspekte der Umwelt, der Gerechtigkeit, der globalen sozialen Verantwortung in die alltäglichen Entscheidungen, etwa an der Ladentheke, einfließen lassen.
Dadurch ist mein Leben nicht einfacher geworden. Aber Lippenbekenntnisse allein helfen uns nicht weiter. Und was ist mit meinen ganz privaten Kriegen? Buß- und Bettag fordert mich auf: Hinterfrage deine Motive in den großen und kleinen Konflikten mit anderen Menschen: Wo geht es dir um Rechthaberei? Wo um Macht? Was hindert dich, die Sichtweise deines Gegenübers einzuneh-men, die Wahrheit in der Perspektive des Anderen zu entdecken? Umdenken. Umkehren. Buße tun. Spätestens wenn es mir dann gelingt, ehrlich für mein Gegenüber, mit dem ich eigentlich im Clinch liege, zu beten, mache ich vielleicht den entscheidenden Schritt, um heute einen Krieg zu beenden.

Jürgen Hofmann

Ev. methodistische Gemeinde