Was für eine Himmelfahrt!

„Das war eine Himmelfahrt!“ sagt man und meint z.B. eine anstrengende, stressige und gefährliche Autofahrt auf einer kurvenreichen Bergstraße, im Stau oder Sturm. Himmelfahrtskommando – das meint einen besonders gefährlichen, wahrscheinlich Tod bringenden Auftrag.
Der morgige Feiertag Christi Himmelfahrt scheint in unserer Sprache keine sonderlich positiven Spuren hinterlassen zu haben. Menschen fragen sich vermutlich eher, wohin sie an Himmelfahrt fahren, als danach, wohin denn Jesus da eigentlich gefahren ist. Obwohl Christinnen und Christen im Glaubensbekenntnis von ihm bekennen: „aufgefahren in den Himmel“, fehlt uns dennoch das rechte Verstehen. Im Deutschen ist das Fest auch schwer zu erfassen. Die englische Sprache unterscheidet „heaven“ als religiöses Wort und „sky“, den atmosphärischen Himmel. Das macht es leichter.
In diesen Maitagen zeigt sich mal wieder, wie schnell sich etwas „da oben“ zusammenbrauen kann. Aus einem harmlosen Himmelszelt wird ein Unwetterszenario, das Mensch und Natur schadet. Auch der schönste Himmel ist alles andere als harmlos. Er ist das „Dach“ dieser Erde und gleichzeitig Sehnsuchtsort der Menschen. Wer wollte in seinem Leben nicht nach oben? Und nicht zuletzt durch manche High-Zustände suchen wir den Himmel auf Erden. Was sich meistens jedoch eher als eine Flucht zu erkennen gibt. In meinem Streben nach oben, darf ich das hier unten nicht aus den Augen verlieren. Denn nach einem Höhenflug folgt meist ein harter Absturz und nach einem Rausch nicht selten der Kater. Hoffen wir, dass am Freitag nicht allzu viele genau diese Erfahrung machen müssen.
Das Leben ist eben auch alles andere als harmlos. Die Hoffnung bleibt indes, dass der Himmel mir nicht auf den Kopf fällt, dass ich mich in jeder Lebenslage zurechtfinde und ich für dieses Leben unter diesem Himmel die nötige Kraft gewinne. Ich schaue in den Himmel und blicke in meine Zukunft. Aber diese Zukunft bleibt Utopie, wenn ich nicht den Boden meiner Wirklichkeit spüre und akzeptiere.
Brauchen wir dann den Himmel? Ja, wir brauchen ihn, weil sonst aus dem Boden der Wirklichkeit nichts Neues für uns wachsen kann. Weil wir sonst ins Bodenlose fallen.
Jesus fuhr in den Himmel, d.h. er ging in eine andere Wirklichkeit über, in den göttlichen Bereich. Jedoch nicht, um sich uns Menschen völlig zu entziehen. Nein, im Gegenteil: Mit seinem Tod, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt hat er diese Wirklichkeit für uns geöffnet, hat er uns den Himmel aufgeschlossen. Was für eine Himmelfahrt!

Marcel Holzbauer

Pastoralreferent, Katholische Kirchengemeinde Nürtingen