Fronleichnam – Einladung, das eigene Verhältnis zur Eucharistie zu überdenken

Manchmal begegnen mir Menschen, die möchten mit kritischen oder manchmal sogar provozierenden Bemerkungen kirchliche Feste in Frage stellen und sie zu einer unsinnigen Lehre der Kirche machen. Dabei fällt mir hinsichtlich des Fronleichnamsfestes die Begegnung zwischen einem jungen Mann und einem Priester ein, dessen kritische Fragen er zu entkräften suchte: „Wie ist es möglich, dass aus Brot und Wein Fleisch und Blut Christi werden?“ Der Priester antwortete: „Wenn schon dein Körper die Nahrung, die du zu dir nimmst, in Fleisch und Blut umsetzen, also verwandeln kann, warum soll Gott nicht auch das andere vermögen?“ Der Mann gab sich nicht geschlagen: „Wie kann denn in einer so kleinen Hostie der ganze Christus zugegen sein?“ Der Priester gab zur Antwort: „Eine Landschaft, die vor dir liegt, ist so groß und dein Auge so klein. Und doch ist das Bild der großen Landschaft in deinem Auge. Warum soll es dann nicht möglich sein, dass in der kleinen Brotsgestalt der ganze Christus zugegen ist?“ Noch eine dritte Frage stellte der andere: „ Wie kann derselbe Christus gleichzeitig in allen euren Kirchen zugegen sein.“ Da nahm der Priester einen Spiegel und ließ ihn hineinschauen. Dann warf er den Spiegel zu Boden und sagte: „Auch in jedem einzelnen Stückchen kannst du dein Bild jetzt gleichzeitig sehen!“
Viele andere Christen stellen solche Fragen nicht oder nicht mehr. Es gehört dazu, nach vorne zum Kommunionempfang zu gehen, weil der/die Banknachbar/in sich anstellen, weil man nicht allein in der Bank zurückbleiben möchte, reihen sie sich einfach in die Schar der Empfangenden ein.
Vielleicht hilft uns ein Wort des heiligen Augustinus weiter, wenn wir uns um ein bedachtes Verhältnis zur heiligen Eucharistie bemühen wollen: „Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut.“ Freude ist Nahrung und Leben für uns. Jede/r hat schon erfahren können, wie sehr die Begegnung mit einem lieben Menschen Freude auslöst und wie man aus dieser Freude wieder ein Stück leben kann. Oft lebt man einer solch beglückenden Begegnung entgegen und fühlt sich durch sie neu gestärkt und „ernährt“. Aus dieser Erfahrung spricht unsere Sehnsucht nach Leben. Diesem menschlichen Grundbedürfnis nach Leben kommt Gott in der Eucharistie entgegen, wenn Jesus sagt: „Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.“ (Joh 6,33). Um es noch deutlicher auszudrücken sagt Jesus: „Nehmt, das ist mein Leib.“ (Mk 14,22). Wäre es nicht hilfreich, sich beim Empfang der heiligen Kommunion auf diese in uns wohnende Sehnsucht nach dem Leben zu besinnen und sich freudig daran zu erinnern, dass Jesus Mensch geworden ist, um sich uns als „Brot des Lebens" zu schenken? Und ist dieses Geschenk nicht auch ein Hoffnungsträger für unsere persönliche Zukunft und die der ganzen Welt?


Daniel Heller
Pfarrer, St. Kolumban, Wendlingen