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Das diesjährige Motto des ökumenischen Hausgebets im Advent lautet: Wüste verwandelt.
Es fällt nicht so leicht Advent und Wüste zusammen zu bringen. In unseren Breiten verbinden wir diese Zeit normalerweise mit Kerzenlicht und grünen Tannenwedeln. Doch es gibt auch in der Wüste Leben. Ein wunderschönes Zeichen dieses Lebens ist die „Rose von Jericho“ auch „Auferstehungs-blume“ genannt. Diese Wüstenpflanze lebt von der Regenzeit. Bei Trockenheit schließen sich die Zweige über dem Herzen der Pflanze zu einem Ball zusammen und sie wird vom Wind durch die Wüste gefegt. Das Austrocknen und Aufblühen lässt sich beliebig oft wiederholen. Deshalb sagt man dieser Pflanze auch ewiges Leben nach.
Manche Situationen und Stimmungen unseres Lebens,– entsprechen sie nicht auch immer wieder dieser Rose von Jericho?
Es gibt Zeiten, wo wir das Gefühl haben, vollkommen ausgetrocknet zu sein. Da ist kein Leben mehr in uns. Wir lassen uns treiben, so wie der Wind halt gerade weht.
Vielleicht haben wir sogar gar nicht mehr die Erwartung, dass es etwas anderes gibt als getrieben zu werden: - getrieben von einer Weltkatastophennachricht zur anderen, getrieben von der Furcht, das alles nicht mehr auszuhalten, - die Ansprüche am Arbeitsplatz genauso wie die in der Familie, vom Partner den Kindern oder Eltern und - nicht zuletzt -  von uns selbst.
Und dann bläst mich vielleicht auch noch dort, wo ich meine Freizeit verbringe, jemand schräg von der Seite an. Und ich merke, wie mich das sehr schnell aus der Bahn wirft.
Ich habe keine Substanz, keinen Halt, keine innere Frische, - keine Wurzeln mehr - um gelassen oder sogar positiv reagieren, um stehen zu können. Ich verschließe mein Herz.

Aber das andere kennen wir doch auch. Wie oft hat schon ein kleiner Tropfen „Bewässerung“ uns wieder Farbe ins Gesicht, Kraft ins Herz und innere Wurzeln gegeben. Irgendjemand hat gemerkt, was wir, oft ganz unscheinbar und unauffällig, geleistet haben und hat uns irgendeine Form von Anerkennung zukommen lassen. Ein Blick, ein Augen-zwinkern, ein ermutigendes Wort.

Eigentlich braucht es nicht viel, damit dort wo Dürre war, sich wieder Leben ausbreitet. Wenn – wenn wir uns das einander schenken – diese Achtung, diese Beachtung, dieses, nicht nur sehen und erleben, sondern auch einander sagen: du, das hat mir gutgetan, - du, das finde ich toll, was ich da bei dir erlebe – du, danke für so vieles, was ich meist sehr selbstverständlich einfach „kassiere“.

Wir gehen auf das Christfest zu. Advent könnte eine Zeit sein, in der wir uns Zeit nehmen, das Trockene in uns den Tropfen, ja den Strömen der Liebe Gottes hinzuhalten. Durch bewusst unabgelenkte Begegnung.
In der Bibel werden viele wesentliche Lebenserfahrungen und besondere Begegnungen mit Gott in der Wüste gemacht. In Zeiten und an Orten, wo scheinbar kein Leben, wo nichts mehr ist. Wo mich nichts von der Begegnung mit mir selbst, einem nahen Menschen und Gott ablenken kann, fängt die Wüste immer wieder neu zu blühen an.

Pfarrer Reinhard Spielvogel

Unterensingen