Versuchung


- ein inzwischen eher altmodischer Begriff, der irgendwie nicht so recht in unseren Sprachgebrauch passt. Wer oder was versucht wen?
Nach biblischem Zeugnis wurde Jesus in der Wüste vom Teufel versucht oder in modernem Deutsch „auf die Probe“ gestellt.
Was sind unsere heutigen Versuchungen? Viele, die sich gerade jetzt in der Fastenzeit den Verzicht auf bestimmte Lebens- oder Genussmittel vorgenommen haben, fühlen sich vielleicht versucht, wenn sie mit eben diesen Mitteln konfrontiert werden. Und es fällt dann mehr oder weniger schwer der Versuchung zu widerstehen. Wenn es nicht gelingt ist das in gewisser Weise ein Scheitern an sich selbst, aber weitere Folgen hat es nicht.
Schon anders sieht es aus, wenn ich beim Einkaufen der Versuchung widerstehe das billige Schnäppchen zu wählen, sondern die etwas teurere Variante nehme, die aber fair produziert wurde. Oder wenn ich bei regionalen Erzeugern einkaufe. Egal ob es sich um Produkte des täglichen Gebrauchs wie Kaffee, Obst, Milch, Fleisch und Wurst … handelt oder um Kleidung u.v.m..
Dann trage ich dazu bei, dass unsere Bauern oder die Menschen in anderen Teilen unserer globalen Welt bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen erhalten. Oder wenn ich der Versuchung widerstehe mich über andere Menschen lustig zu machen oder sie vorschnell „in eine Schublade stecke“. Stattdessen suche ich den Kontakt und versuche sie besser kennen- und verstehen zu lernen.
Das sind nur ein paar Beispiele in denen auch wir heute auf die Probe gestellt werden und die ganz gut in die gerade begonnene Passion- oder auch Fastenzeit passen.
Eigentlich gefällt es mir besser von „Fastenzeit“ zu reden, denn der Schwerpunkt dieser 40 Tage liegt nicht so sehr auf dem Leiden Jesu, als auf unserer ganz bewussten Ausrichtung auf das Wirken Gottes an uns durch Jesus Christus. In diesem Zusammenhang ist "Fasten" dann nicht der radikale Verzicht auf bestimmte Konsumgüter oder Nahrungsmittel. Fasten im biblischen Sinn bedeutet auch, mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen und diese maßvoll zu gebrauchen. Das schließt auch unseren Umgang miteinander ein. Alle Lebensbereiche sind gemeint und der Blick führt von mir weg nach außen, hin zu unserer Verantwortung füreinander und für unsere Umwelt.

Vor diesem Hintergrund zu entdecken wo auch ich betroffen bin und mein Handeln im Hinblick auf ein gutes Miteinander und die Bewahrung der uns anvertrauten Umwelt zu überdenken, finde ich ein spannendes Projekt für die morgen beginnende erste volle Woche in der Fastenzeit. Machen Sie mit?

Christine Flick, Wendlingen
Evangelisch-methodistische Kirche