Der Sonntag Rogate ist in vielen Gemeinden der Evangelischen Landeskirche der traditionelle Konfirmationstermin

 Auch in den Gemeinden unseres Kirchenbezirks sind morgen etliche Konfirmationen. Nach einem Jahr der Vorbereitung mit wöchentlichem Unterricht oder der einen oder anderen besonderen Aktion wie dem Konfi-Camp in Rötenbach, der Diakonierallye in Nürtingen oder einem Konfi-Halbtag zu einem gesonderten Thema, werden die Jugendlichen nun konfirmiert und gesegnet. In den Gottesdiensten stellen und tragen sie vor, was sie gelernt haben über den christlichen Glauben. Sie bekräftigen, zu dieser Gemeinde dazugehören zu wollen. Teilzunehmen an den Angeboten oder gar selbst Kirche und Gemeinde mit zu gestalten.
Schon immer wird in den Gemeinen darüber diskutiert und gestritten, wie ernst die Jugendlichen die Konfirmation tatsächlich nehmen. Wollen sie wirklich als mündige und verantwortliche Mitglieder der Kirche treu bleiben? Oder feiern sie dieses Fest „nur“ aus der Tradition heraus. Oder weil es die Eltern oder Großeltern so wollen? Sind es letztlich die Geschenke oder das große Familienfest jetzt am Ende des Konfirmandenjahres, die die Teenager motivieren, am Unterricht teilzunehmen?
Wie wichtig sind den Konfirmandinnen und Konfirmanden Gott, Jesus Christus oder das Leben in der Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“, wie wir es im Glaubensbekenntnis sagen?
Darüber lässt sich wahrlich trefflich diskutieren. Und ich bin mir sicher, dass wird auch in 100 Jahren noch so sein. Ganz gleich nun, mit welchem Eifer und innerer Beteiligung die Jugendlichen am Unterricht teilnehmen. Ein Thema scheint mir für sie immer sehr wichtig zu sein: das Beten.
„Wenn ich bete, kann ich zu innerem Frieden gelangen“, hat ein Konfirmand in Vorbereitung eines Gottesdienstes geschrieben. „Beim Beten kann ich bei Gott alles loswerden“, meinte eine Jugendliche. Und als wir bei der Auseinandersetzung mit den Psalmen aus der Bibel selbst Gebete geschrieben haben, kamen viele ernste und tiefgründige Bitten zum Vorschein.
Ganz gleich wie nah oder ferne die Jugendlichen also der Kirche stehen, das Beten scheint bei vielen eine gewichtige Rolle zu spielen. Da passt es ja hervorragend, dass der Name des Konfirmationssonntages „Rogate“ heißt. Das heißt nämlich „Betet!“ – So können die Jugendlichen morgen nicht nur konfirmiert und gesegnet werden. Wir können und dürfen auch mit ihnen und für sie beten. Sie selbst können ihre Anliegen im Gebet vor Gott bringen. Und womöglich können wir Erwachsenen im Gespräch mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden unser eigenes Beten bedenken und neu ausrichten.  

Pfarrer Gerhard Bäuerle, Evangelische Kirchengemeinden Linsenhofen und Tischardt