Männer kämpfen

Ja, eine Aussage wie aus der Klischeekiste: Männer kämpfen! Und in Gedanken ergänzt man vielleicht: mögen schnelle Autos, klopfen derbe Sprüche, sind hormongesteuert und manches mehr. Der ein oder andere denkt vielleicht an die frühere Rauferei mit dem jüngeren oder älteren Bruder – man wollte ja schon wissen, wer der Stärkere ist. Männer kämpfen, ja, schon klar.
Und natürlich kämpfen Frauen auch und Kinder, Schüler, Senioren, Mütter, Vater, Workaholics und Menschen ohne Arbeit – um tägliches Auskommen oder einen Familienurlaub, um einen Menschen, eine Beziehung, um Anerkennung oder wenigstens darum, überhaupt wahrgenommen. Anderswo auch ums nackte Überleben. Nicht selten wird das zu viel – man passt sich an, lässt Ideale fahren, wird müde, gar ausgebrannt.
Erinnere ich mich dann noch, wofür ich mich einsetze, was für mich wirklich zählt, was die Energie lohnt einzusetzen? „Gott liebt Gerechtigkeit – wofür es zu kämpfen loht“ – das ist das Motto des diesjährigen Männersonntags der evangelischen Kirche in Deutschland am 20.10. Wenn wir als Vater versuchen, dem Job, der Familie, den Kindern gerecht zu werden – dann merken wir, dass es manchmal ein harter Kampf ist. Der sich lohnt. Bei dem ich auch weiß, dass es nicht nach dem Motto geht: je mehr ich kämpfe, desto mehr Gewinn wartet auf mich. Das Entscheidende wird mir wohl geschenkt. Ich jedenfalls möchte mir gern morgens in den Spiegel sehen können, und sagen: ja, du hast es versucht, auch wenn vielleicht nicht alles gelungen ist. Und es ist ja alles andere als einfach; bei den Kindern geht’s los: Ist es gerecht, alle gleich zu behandeln oder werde ich ihnen eher gerecht, wenn ich nach ihrer individuellen Eigenart ganz unterschiedlich auf sie eingehe? Was ist gerecht im Fragen eines Klimapakets, des Brexit, der Aufnahme von Geflüchteten in Europa? Gott liebt Gerechtigkeit – weil er die Menschen liebt. Wir könnten genau damit ja auch anfangen. Und dann um Gerechtigkeit kämpfen. Und solche suchen, die das mit uns machen. Zum Beispiel morgen beim Gottesdienst zum Männersonntag in Oberboihingen um 9.30 Uhr – mit anschließendem Weißwurstfrühstück. Das reicht für alle – wenn wir gerecht teilen!

Hannes Gaiser, Pfarrer in Oberboihingen