Weiter Raum

„„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.“ Franz Kafkas kleine Fabel aus dem Jahr 1920 ist (auch) im Blick auf den Klimawandel bestürzend aktuell: immer enger werden die Handlungsspielräume; die Umkehr, die allein retten könnte, endet ebenfalls tödlich.
Der ökumenische Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nürtingen zum Aktionstag „Mobil ohne Auto setzt einen biblischen Hoffnungstext dagegen. Psalm 31 ist das Gebet eines tödlich Bedrohten, der zu Gott flieht. Gott schenkt ihm Schutz und Geborgenheit. „Du bist mein Fels und meine Burg.“ (Vers 4). Das ist die erste Hälfte des Wunders. Hier aufzuhören hieße, Glaube miss zu verstehen als bequemen Freibrief für ein „Weiter so wie bisher“. Der Gott aber, der Jesus von den Toten auferweckt hat, verbietet uns die Resignation, die das vorgeblich Unabänderliche vorschützt. Er eröffnet neue Bewegungs- und Handlungsspielräume. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Vers 9). Das ist die zweite Hälfte des Wunders. „Die Bibel ist eine einzige Streitschrift gegen die ‚Macht des Schicksals‘.“ (Jürgen Ebach). Wir sind dankbar, dass wir in diesem Kampf (oft auch gegen die eigene Mutlosigkeit und Trägheit) nicht alleine sind:
Mit dabei sein werden Nürtinger Jugendliche von „Fridays for future.“ Die Predigt hält Pfarrerin Bärbel Brückner-Walter. Die Musik kommt vom Nürtinger Posaunenchor und dem Chor der Neuapostolischen Kirche. Den parallelen Kindergottesdienst gestaltet die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde. “ Termin ist der 22. September um 10:30h im Tiefenbachtal auf der Wiese von Gartenbau Hiller, bei starkem Regen um 11:00h in der katholischen Kirche St. Johannes.

Autor: Pfarrer Markus Lautenschlager, Evangelische Kirche