Das Ansehen, das wir haben, hört nicht auf

„Es ist genug. Ich mag nicht mehr.“ Wer kennt solche Gedanken nicht? Man hat viel Kraft in eine nutzlose Auseinandersetzung gesteckt, man hat sich in eine aussichtslose Sache verbissen oder verzweifelt gegen eine Krankheit gekämpft. Man hat viel Zeit und viel Kraft in ein Projekt investiert: ohne Erfolg. Da kann dann der Punkt kommen, wo es wirklich genug ist. Da sind die Reserven aufgebraucht und die Kräfte sind verzehrt.
Die Erkenntnis, ausgebrannt und leer zu sein, könnte der Anlass dafür sein, dass man seine Ansprüche an sich selber einmal überprüft und sich fragt: „Muss denn das alles sein, was ich mir vorgenommen habe? Muss das wirklich alles sein? Muss ich wirklich alles perfekt machen?“ Und: „Muss ich das alles allein machen?“
Vom 4. bis 11. Mai 2019 findet die ökumenische Woche für das Leben statt. Sie widmet sich in diesem Jahr unter dem Titel „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern“ der Suizidprävention und macht auf die vielfältigen Beratungsangebote der Kirchen für suizidgefährdete Menschen und ihre Angehörigen aufmerksam.
Wenn dir alles zu viel wird, bist du darauf angewiesen, dass ein anderer dich sieht: Dass es einen gibt, bei dem du Ansehen hast, der dir zuhört, der dich mit dem Nötigsten versorgt, und wenn es nur ein freundlicher Blick ist.
Die Woche für das Leben, die heute beginnt, zeigt auf, welche Hilfen es gibt: In den Kirchengemeinden und Pfarreien gibt es Pfarrer und Pfarrerinnen und Seelsorger, die in vertraulichen Gesprächen ein offenes Ohr für jeden haben, der Hilfe nötig hat. In den Hilfsangeboten der Telefonseelsorge (evangelisch: 0800 111 0111, katholisch: 0800 111 0222), der Caritas und der Diakonie stellen sich gut ausgebildete Christen als Gesprächspartner zur Verfügung, weil sie wissen, wie wichtig der persönliche Beistand in schweren Krisen ist.
Mit der Woche für das Leben wird gezeigt, welche Hilfe und Orientierung der christliche Glaube in schwierigen Situationen bieten kann und wie wichtig die Solidarität des Umfeldes mit dem Mitmenschen ist, der selbst keinen Ausweg mehr sieht.
Christen wissen, dass es ein Anliegen Gottes ist, dass unser Leben gelingt. Dafür setzen sie sich ein. Und daraus schöpfen sie Kraft.
Gott verliert keinen aus dem Blick. Das Ansehen, das wir bei ihm haben, hört nicht auf. Davon leben wir.

Pfarrer Ulrich Kopp, Neckartenzlingen