1. Advent

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Im Advent steht alles im Zeichen der Ankunft. Christen bereiten sich innerlich und äußerlich auf das Ankommen Jesu vor. Als ich vier Wochen, fast 500 km von Burgos nach Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg pilgerte, lernte ich: Wer ankommen will, muss zunächst einmal aufbrechen, muss seine Komfortzone verlassen. Jeder Tag der Reise begann mit Aufbruch und endete mit Ankunft. Das Ankommen wurde zur Momentaufnahme, das ewige Aufbrechen zur Existenzform. Vor Augen die große, endgültige Ankunft in der Kathedrale in Santiago, glaubte ich oft nicht, dass ich es schaffen würde. Welch ein Gefühl, als ich dann mit der Pilgerurkunde doch im Gottesdienst saß! Überwältigung und Leere, Staunen und Fassungslosigkeit.

Die Wanderung auf dem Jakobsweg wurde für mich zum Sinnbild des Lebens. Immer wieder neu losgehen und ankommen, auf Andere zugehen, gedanklich aufbrechen, miteinander Wege gehen. Das Leben als Prozess oder wie Konfuzius sagte „Der Weg ist das Ziel“.

Wir erleben dieses Spannungsfeld aus Aufbruch und Ankunft auch in Bezug auf unseren Kalender: Im Kirchenjahr steht alles auf Anfang, denn der Advent markiert den Beginn eines neuen Jahres. Es läuft langsam an, mit Bedacht und voller Vorfreude. Der gregorianische Kalender, also die weltliche Zeitmessung, macht uns weis, dass das Jahr zu Ende geht und wir einen Endspurt hinlegen sollten. Und auch die Jahreszeiten verstärken diesen Eindruck, wenn das Laub von den Bäumen fällt und der Winter naht.

Und so schwanken wir zwischen dem Gefühl des Aufbruchs und dem Wunsch nach Ankunft. Dieser ewige Kreislauf birgt den Vorteil, immer wieder neu anfangen zu können, aber den Nachteil, dass man sich als ewig Wandernder fühlt und nie wirklich ankommt. Bei Gott ist das anders. Er schenkt ebenfalls unendlich viele Chancen des Neuanfangs und außerdem findet der Mensch bei Ihm ein echtes Zuhause und darf ankommen, so wie er ist.

Im Advent geht es aber gar nicht so sehr um mein Aufbrechen und Ankommen, sondern um die Ankunft Jesu in dieser Welt. Wie gut, dass er sich auf gemacht hat, Mensch zu werden. Und er ist nicht nur der Ankommende, sondern der Entgegenkommende, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

von Nadine Karrenbauer, Jugendreferentin