Da hilft nur noch beten

©Hofmann

Ein lieber Mensch hat einen Herzinfarkt erlitten und ich sitze auf dem Flur des Krankenhauses und warte auf das Ergebnis der Untersuchung. Ich fühle mich unendlich hilflos. Meine Gedanken überschlagen sich. Was ist, wenn er nun ... O Gott, das darf nicht sein. Gott, hilf mir!
Kennen Sie so eine Situation? Der Moment, der Sie so an den Rand führt, dass Sie denken: „Da hilft nur noch beten.“
Ich finde das absolut in Ordnung, dass wir beten, wenn wir spüren, dass wir unser Leben nicht mehr im Griff haben, wenn alles aus der Hand entgleitet und wir uns dann erinnern, dass es den lieben Gott gibt, der versprochen hat, zu helfen. Doch: Wann ist dieser Moment gekommen? Wann habe ich meine Möglichkeiten ausgereizt?
Eine Gegenthese: Ich bete am Anfang eines jeden Tages. Gut, es ist sicher ein gewisses Maß an Gewohnheit dabei. Aber ich bilde mir doch nicht im Ernst ein, dass ich mein Leben an diesem Tag im Griff habe und sei er noch so überschau-bar. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich analysiere Herausforderungen, die vor mir stehen, setze mir Ziele für diesen Tag. Ich überlege mir Strategien, wie ich diese Ziele erreiche und erarbeite einen Zeitplan für die Umsetzung meiner Arbeit. Ich bin nicht blauäugig, sondern gehe mit einer angemessenen Portion Intelligenz und Gespür gut vorbereitet an mein Tagesgeschäft heran. Aber gerade dieses Gespür signalisiert mir: Meine nicht, du hättest diese Sache im Griff. Du siehst nicht hinter die Dinge, du steckst zu wenig drin. Viele Zu-sammenhänge sind dir nicht bewusst. Menschen im sehr nahen und weiteren Umfeld, auf deren Auftreten ich wenig Einfluss habe, lassen einen solchen Tag manchmal zum Abenteuer werden. Ich lasse mich zwar gerne auf dieses Aben-teuer ein, aber es wäre eine Illusion zu meinen, ich hätte all diese Begegnungen, alle Entwicklungen und Entscheidungen samt ihren komplexen Folgen im Griff.
Weil ich dennoch erfolgreich sein und meine Ziele erreichen möchte, bete ich, dass Jesus Christus meine Begrenztheit gebraucht, um sein Ziel mit mir an die-sem Tag zu erreichen, um Gutes zu bewirken, gelingendes Leben für mich und durch mich für Andere.
Die heute beginnende Allianzgebetswoche mag ein Anlass sein, auch in der Gemeinschaft unterschiedlicher protestantischer Konfessionen das Gebet zu praktizieren. Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen mit dem Beten in 2020.

Freundliche Grüße Jürgen Hofmann