Aschermittwoch als Gelegenheit, zu sich zu kommen

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Kennen Sie auch dieses Gefühl: „Es wird Zeit, dass ich wieder zu mir komme“. Das „Zu-sich-Kommen“ ist nach tollen Tagen der Freude und des Ausgelassenseins oft nicht einfach. Aber auch in der Hektik des Alltags, wenn sich die Ereignisse überschlagen und die Zeit rast, ist es nicht selbstverständlich. Ob in der Familie, in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf…oft ist es turbulent und viel ist los: Eine Prüfung muss vorbereitet werden, das Kind muss abgeholt werden, der Chef macht Druck, im Haus sind noch Dinge zu erledigen, so vieles ist liegen geblieben…Wo soll ich anfangen? Das innere Durcheinander nimmt zu. Wenn vieles auf uns einströmt, kann es auch zu viel werden. Zu viel ist immer eine Herausforderung, ob zu viel des Guten oder zu viel des Schlechten. Schnell verlieren wir die innere Balance, kommen außer Atem. Alles beginnt zu nerven, mitunter ist man außer sich vor Ärger, vor Wut, vielleicht aus Überdruss, vielleicht auch aus Übermut. Das spüren wir und lassen es andere spüren. Wer außer sich ist, sollte wieder zu sich kommen! Da ist es gut, inne zu halten und das Getriebe und Getrieben-Sein abzuschalten. Ganz bewusst!
Heute ist so ein Tag zum Abschalten, heute ist Aschermittwoch! Die tollen Tage der Fasnacht sind vorbei. Manche wachen vielleicht mit einem Kater auf. Da heißt es: Wieder zu sich kommen. Aschermittwoch kann für dieses „Zu-sich-kommen“ stehen. Alles kann sich innerlich setzen, wieder in eine Ordnung kommen – wie der aufgewühlte Sand in einem Wasserglas. Oder wie ein Reset am PC! Mal alles runterfahren innerlich – und dann neu starten. Dann ordnet sich manches neu: Was ist mir wichtig, was bringt mich so in Stress? Was war eigentlich los? Was will ich wirklich? Was tut mir leid? Die Unterbrechung im Alltag kann zu einer regelmäßigen und wohltuenden Übung werden: Durchatmen, zu sich kommen, sich besinnen. Das Symbol des Aschenkreuzes, das Christen sich heute auf die Stirn zeichnen, kann für diese Unterbrechung stehen. Alles ändert sich, alles ist vergänglich. Halte inne, spüre nach, was mit Dir ist…und beginne neu zu leben.

Alexander Wessel
Leitung Psychologische Familien- und Lebensberatung Esslingen-Nürtingen