Danken und Teilen

© Eisenhardt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den vergangenen Sommermonaten gab es, bedingt durch die Corona-Pandemie, viele Freiluftgottesdienste. Auf Decken sitzend lagerten sich die Menschen im Gras und waren froh, wenigstens wieder einmal an einem Gottesdienst teilnehmen zu dürfen. In der Regel kamen sie gefrühstückt und satt. Die biblische Geschichte, die an diesem Erntedankfest in unseren Kirchen erzählt wird, lässt uns erfahren, dass Jesus 4000 Menschen mit 7 Broten und ein paar Fischen satt gemacht hat.

Zunächst einmal sind die Menschen hungrig. Denn 3 Tage sind sie schon so beieinander und hören Jesus zu.

Was Jesus ihnen erzählt, erfahren wir nicht. Aber wir hören, dass Jesus erkennt, dass die Menschen nun Hunger umtreibt; und das kann nicht gut gehen, was damals wie heute gilt. Ja, es kann nicht gut gehen, wenn die Menschen Hunger leiden. In der einen Welt kann das nie gut gehen.
Auch uns kann das nicht kaltlassen, wenn es da Hunger gibt. „Brot für die Welt“ ist ein Urbedürfnis auf diesem Globus und das gilt für alle Geschöpfe. Das geistige, geistliche und leibliche Wohl aller gehört hier zusammen. Dass heute, die sonntägliche Gottesdienstgemeinde schon mehr als satt geworden ist, ist nicht immer gut, um noch Barmherzigkeit zu empfinden. Wenn einer allerdings für sein Sattwerden noch immer Gott dabei danken kann, so ist schon einmal viel gewonnen. Auch deshalb feiern wir das Erntedankfest. Auf keinen Fall wollen wir den Dank vergessen.

Wo aber bleibt unser Dank? Ein Dank, den wir dann in eine Tat verwandeln können und wollen! Satt sein, ohne Dankbarkeit, ist eine Belastung für eine Gesellschaft und für das Gleichgewicht in einer und derselben Welt.

Auch geistig und geistlich gesehen geraten wir in Hungersnöte, manchmal hungert da ein ganzes Volk, auch eine Viruspandemie macht da manches deutlich. Da ist Not, mehr als uns lieb ist, mehr als wir jemals erahnten. Und wenn dann die Sorgen größer werden als das Gottvertrauen, so geht der Erntedank schnell perdu.

Wir werden in diesem Jahr auch unsere gewohnten Erntedankaltäre anders anschauen. Das Maß für Dank und Freude ist ein anderes geworden. In manchen Gottesdiensten fehlen die Kinder unserer Kindergärten. Alles aus Sicherheitsgründen. Wir sehen die Not der Erntehelfer, die Not in den großen Schlachtereien und Fleischfabriken unseres Landes, das Herz blutet, wenn wir an unsere Mitmenschen denken, die dort arbeiten. Ratlosigkeit! Fleisch muss schnell und billigst zerlegt werden.
Das, was diese Welt hat, langt für alle. Alle werden satt. Und meist braucht der Mensch viel weniger, um satt zu sein. Aber er braucht das Richtige. Die richtige Nahrung, die Begegnung mit den Menschen und das Wort Gottes.

Die Viruspandemie macht uns Angst und mürbe. Aber auch hier gilt: Wir sind auf diesem Weg nicht alleine, auch unsere Landwirte nicht. Der Herr, der mit 7 Broten und wenigen Fischen 4000 Menschen satt bekommen hat – dem ist alles zuzutrauen! Auch das, dass Gott uns sättigt, an Leib, Seele und Geist, und dies jedem gilt. Im Teilen sorgen wir dafür, dass alle danken können. Und diesen Dank sollten wir auch unseren Landwirten nicht nur heute zeigen.

Es grüßt Sie herzlich

Pfarrer Harald Geyer, Kohlberg
(Beauftragter im Evang. Kirchenbezirk Nürtingen für die Kirchliche Bauernarbeit)