Für seine Überzeugung auf die Straße…

©Jaeger

Sie gehören in unseren Tagen dazu, die Bilder und Berichte über Menschen, die für ihre Überzeugung auf die Straße gehen. Manchmal ist es Ausdruck öffentlichen Protestes, gegen Rassismus, gegen Unterdrückung und Ausgrenzung, gegen Gewalt und Ungerechtigkeit.
Manchmal ist es der Einsatz und das Engagement für mehr Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie und Chancengleichheit.
Manchmal ist es ein Wachrütteln für mehr Klimaschutz, Solidarität und Frieden, für eine bessere Zukunft.
Für seine Überzeugung auf die Straße gehen, das heißt öffentlich Eintreten für …, das heißt sich verbinden mit Gleichgesinnten, seine Einstellung, Meinung und Argumente abwägen und kundtun, das heißt sich bekennen zu …
Ein öffentliches Bekenntnis, dazu gehört Mut, auch und gerade für uns Christen heute.
Fronleichnam, ein Fest, bei dem in vielen katholischen Kirchengemeinden, das öffentliche Bekenntnis gefeiert wird. Das Bekenntnis zu einem Gott, der da ist, auf unseren Straßen und Wegen, in unseren Häusern und Familien. Ein Gott, der mitgeht, auf den Wegen der Menschen, der stärkt, Kraft schenkt und segnet. Um dies öffentlich zu zeigen, ziehen Christen in einer Prozession durch die Dörfer und Stadtteile. Singen, beten und feiern miteinander, als Gemeinschaft, die sich verbindet im Namen Jesu und sich einsetzt für seine Botschaft.
Und in diesem Jahr? Die Prozessionen fallen aus, die Gottesdienste werden unter hohen Vorsichtsmaßnahmen gefeiert. Und unser Bekenntnis? Das ist gefragter denn je. An vielen Orten, manchmal im Kleinen und Verborgenen. Wenn ich beistehe und tröste, wo Menschen Abschiednehmen und trauern. Wenn ich von der Hoffnung rede, wo Menschen zweifeln und sich ängstigen. Wenn ich mit anpacke, weil der Andere jetzt Hilfe und Unterstützung braucht. Wenn wir in der Familie miteinander und füreinander beten. Und wie steht es mit dem öffentlichen Bekenntnis, mit dem „für seine Überzeugung auf die Straße gehen“? Bei genauem Hinsehen, beim Hören der leisen Töne, höre und sehe ich sie, die mutigen Christen und Christinnen heute, die mit demonstrieren und sich zu Wort melden, wenn es um mehr Klimaschutz und Frieden geht, um bessere Bedingungen in Pflegeberufen, wenn es um Chancengleichheit und Solidarität mit Menschen am Rande unserer Gesellschaft geht. Ich sehe mutige Christen, die als Politiker und Politikerinnen für mehr Gerechtigkeit weltweit eintreten, oder all jene, die sich engagieren für Menschen in Not in Hospizvereinen, der Notfallseelsorge, bei Initiativen für Wohnsitzlose oder in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen und vieles mehr. Es gibt sie, die mutigen Christen heute, die durch ihr Tun und Bekenntnis unsere Welt mitgestalten und Zeugnis ablegen für diesen Gott, der mit uns ist und unter uns Menschen wohnt.

Simone Jäger, Dekanatsreferentin katholisches Dekanat Esslingen-Nürtingen