Himmelfahrt- ist das zu glauben?

©Lang

Morgen ist „Christi Himmelfahrt“. Auch  

in diesem Jahr, in dem so vieles ganz

anders ist, wird  wie immer 40 Tage nach

Ostern, an einem Donnerstag, dieses Fest

 gefeiert. Die Bibel berichtet, dass Jesus,

nach seiner Auferstehung an Ostern noch

40 Tage auf dieser Erde lebte. Dann war er

mit seinen engsten Vertrauten, seinen

Jüngern, unterwegs. Während er seine

Hände erhob und sie segnete, wurde er von

einer Wolke verhüllt und zum Himmel

emporgehoben. Jetzt ist er an Gottes

rechter Seite. Himmelfahrt!? Ist das zu

glauben? In Zeiten der Raumfahrt-

Himmelfahrt?! Die englische Sprache ist

da verständlicher. Es wird unterschieden

zwischen „sky“, dem Himmel, den wir

sehen und „heaven“, dem Himmel, den wir

nicht mit unseren Augen so einfach

betrachten können. Himmelfahrt meint,

Jesus schwebt nicht irgendwo im All,

sondern er ist bei seinem Vater im

Himmel. Ein unbekannter Verfasser drückt

es so aus: „Nicht wo der Himmel ist, ist

Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel.“

Den Himmel auf Erden würde man sich

wünschen. Gerade jetzt. Ein winzig,

winzig kleines Stückchen Himmel gibt es

auch jetzt. Spricht man nicht von

„himmlisch“, beim Verzehr von einem

Stück Erdbeerkuchen mit Sahne? Und in

der Hängematte unter einem blühenden     

Apfelbaum, fühlt man sich mitunter wie

im Himmel. Auch in der momentanen Zeit

darf man offen sein, für himmlische

Momente. Für die kleinen und die großen.  

Himmel, im Sinne von „heaven“, drückt

quasi die höchste Steigerung aus von etwas

Gutem, Wohltuendem, Unübertrefflichem.

Wo Gott ist, ist der Himmel. Und wo Gott

ist, ist Jesus. An diesem Ort, der nicht zu

fassen ist in Raum und Zeit, ist gut sein.

Gott spüren, ohne es in Worte fassen zu

können. Aufatmen, durchatmen, Liebe und

Frieden erfahren. Sich verstanden wissen,

sich getragen fühlen, obwohl man zu fallen

scheint. Der Himmel, das Reich Gottes, ist

auch Bestandteil dieser Welt in der Tod,

Krankheit, Ängste, Sorgen, Egoismus,

Überforderung, Einsamkeit und vieles

mehr an der Oberfläche schwimmen. Als

Jesus gefragt wurde: „Wann kommt das

Reich Gottes?“, antwortete er ihnen: „Das

Reich Gottes kommt nicht so, dass man es

an äußeren Anzeichen erkennen kann….

Das Reich Gottes ist schon da- mitten

unter euch.“

Auch jetzt in der Coronakrise.

Auch wenn es schwer zu erkennen ist.

Auch wenn manches lauter schreit.

Teilhaben an diesem Reich Gottes, einem

„Stück Himmel auf Erden“. Teilhaben am

Himmel, in dem es Platz für alle gibt,

mitten in dieser Welt, voller Not und

Schrecken, dieser Welt, in der scheinbar,

aber nur scheinbar, ein Virus die Oberhand

gewonnen hat. Als Jesus zu Gott, seinem

Vater ging, machte er sich nicht einfach

aus dem Staub. Er segnete  seine Freunde

und versprach ihnen Kraft von oben. Diese

Kraft verspricht er auch heute allen, die an

Jesus und seinen Vater glauben. Ist das zu

glauben? Kann man nur glauben, was man

sieht und versteht? Dem Toten Meer sieht

man den erhöhten Salzgehalt nicht an, der

es einer Person ermöglicht, ohne zu

schwimmen, nicht unterzugehen. Das muss

man glauben und ausprobieren! Erst sehen

und verstehen, dann erst glauben? Zuerst

glauben und dann sehen und verstehen!


Hildegund Lang  - Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nürtingen