Johannes 15, 1-8

©B.Eidenmüller

Der Weinstock und die Reben sind ein schönes Bild für den Glauben, für das Leben als Christen. Woran denken Sie spontan? An den Geschmack von Trauben, an ihren Saft, an Wein? Oder denken Sie an harte Arbeit im Weinberg: An viel Mühe, die vergleichsweise schnell genossen ist? An Abhängigkeit von Witterung und Wachstumsbedingungen? Schönheit, Klarheit, Härte finden sich alle im Text für den Sonntag. Wer in mir bleibt und ich in ihm – alles gut! Was zu Boden fällt, wird verbrannt. Interessant finde ich, was wir jeweils deutlicher im Text wahrnehmen. Gedeihen oder Müllentsorgung? Ich sehe auf die Weinstöcke und ihre Trauben in unserer Andreaskirche. Wird ein Gemeindeglied getauft, kommen sein Name und das Taufdatum auf einer Beere an eine Jahrestraube. Abendmahl feiern wir mit dem Saft aus Trauben. Auch das ganz sinnfällig und kaum zufällig. Mit dem Abendmahl, das wir derzeit nicht feiern, fehlt uns eine wichtige Kraftquelle. Mit dem gemeinsamen Gebet, das derzeit nicht stattfindet, fehlt uns eine wichtige Kraftquelle. Überhaupt erleben wir unseren Zusammenhang in dieser Zeit nicht. Stattdessen lebt jeder in seiner eigenen Geschichte in seinen vier Wänden. Woraus schöpfen wir die notwendige Kraft in der gegenwärtigen Krise? Die Kraftquellen von gemeinsamem Gebet, von Tauffeiern, Konfirmationen, die Kraftquelle gemeinsamen Singens und Musizierens, von Kunst und Kultur und anderes mehr fehlen. Bei allen gut und ansprechend gemachten medialen geistlichen Angebote bleibt doch die Lücke. Sie wird mit der Zeit immer spürbarer. Zurückgeworfen auf sich sind wir wie vereinzelte Beeren. Wer in dieser Zeit besonders unter Einsamkeit leidet, den könnten die Worte in Johannes sogar betroffen machen. Ganz zu schweigen, von den Sorgen, die sich für manche immer höher türmen. Gut, dass dieser Sonntag nach Ostern uns ausrichtet und eine Perspektive gibt: Wir denken an die Schöpfung mit den Bildern vom Weinstock und seinen Reben. Versuchen wir auf die positiven Dinge zu schauen. Das schöne Wetter, die aufblühende Natur machen es uns leichter. Und lassen Sie uns dann über sie noch hinaus schauen auf die Neuschöpfung. Unser Blick darf in Richtung des verheißenen neuen Himmels und der verheißenen neuen Erde gehen. Unerhört. Ein Grund zur Freude. Der Sonntag Jubilate lädt sogar zu lauter Freude ein, zu Jubel! Siehe, ich mache alles neu heißt es bei Jesaja. Solche Worte helfen mir in dieser Zeit.

Pfarrerin Senta Zürn, Großbettlingen