Passion im Zeichen von Corona

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Karfreitag - der Feiertag, der ganz im Zeichen der Passion Christi steht. Wir hören die Leidensgeschichte unseres Herrn und enthüllen und verehren sein Kreuz. In diesem Jahr ist das alles etwas anders. Wegen der Corona-Krise können wir uns nicht in den Kirchen versammeln, können zur Sterbestunde Jesu keine Gottesdienste in Gemeinschaft der Gemeinde feiern. Ein erschreckendes Virus hält die Welt in Schach; es verbreitet Angst in seiner schnellen Vermehrung und seiner Gefahr für uns Menschen - Corona.
Und dennoch: Karfreitag bleibt auch in diesem Jahr besonders der Tag, an dem wir Gottes abgrundtiefe Solidarität mit uns Menschen erfahren können. Gottes Sohn selbst entzieht sich dem Dunkel nicht. Er flieht nicht. Er bleibt, hält aus, wird zum "heruntergekommenen Gott". Zu Unrecht wird er verurteilt, ausgeliefert und verspottet. Die Soldaten legten ihm einen Purpurmantel um und flochten einen Dornenkranz; den setzten sie ihm auf und grüßten ihn: Sei gegrüßt, König der Juden! (Mk 15, 17-18).
Keine Königskrone aus Gold und Edelsteinen gefertigt trug er auf dem Haupt, sondern einen geflochtenen Kranz aus stechenden und verletzenden Dornen. Krone, Kranz - auf Latein: Corona. Wie sehr bringt diese Übersetzung doch gegenwärtig die enge Verbundenheit Jesu mit den Kranken und Geschwächten aller Welt zum Ausdruck, mit allen, die Schmerzen leiden und sterben. Wie sehr verbindet sich Jesus mit unserer menschlichen Angst und Ohnmacht: Angst vor der Bedrohung unseres Lebens, Angst, ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Wie sehr gleicht am Kreuz sein Schrei des Schmerzes und der Gottverlassenheit unserer schmerzhaften Einsamkeit in diesen Tagen der Kontaktsperre.
Karfreitag sagt uns, dass Gott ins dunkelste Lebensdunkel mit hineingeht. Wir Menschen sollen in unserem Dunkel spüren und erahnen können, dass Gott solidarisch mit uns ist und mit uns geht. Abgrundtiefe Solidarität Gottes. Sie nimmt nichts von meinem Schmerz, von meinen Tränen, meiner Einsamkeit. Sie lässt mich aber erahnen, dass ich nicht allein bin. Darum dürfen wir uns im Gebet vertrauensvoll an ihn wenden:  
Gott, es ist still heute, in deinen Kirchen, auf den Straßen, in den Clubs der Stadt.
Es fällt uns schwer, dein Kreuz anzuschauen und zu verstehen, was das soll: Das Zeichen der Gewalt und des Hasses, inmitten des Grauens unserer Welt.
Es fällt uns schwer, von deinem Schrei am Kreuz zu hören, denn wir hören so viel Geschrei. Das ist doch nicht das Ende deines Weges, oder?
Nimm uns mit auf deinen Weg, sei Kraftspender, sei Gedankengeber, sei Perspektivenwechsler.
Gerade heute, in aller Stille, bei allem Grauen. Amen. (Gebet: Jan Ehlert)


Volker Weber, Stellvertretender Dekan

Katholisches Dekanat Esslingen-Nürtingen