Füreinander

©Jaeger

Viele von uns sind verunsichert in diesen Tagen. Eine solche Situation hatten wir alle noch nicht. Es kommt eine Nachricht nach der anderen. Unser öffentliches wie auch privates Lebens verändert sich durch diese große Herausforderung. Alle Anstrengungen, die unternommen werden, haben eines im Sinn – „der Virus COVID-19 soll sich möglichst langsam ausbreiten", damit Menschen, die an einer Vorerkrankung leiden, ältere Menschen und all die, die wir alle dringend brauchen, den größtmöglichen Schutz erhalten. Dabei wird von uns verlangt, unsere eigenen Gewohnheiten, Vorlieben, Freizeitaktivitäten, unseren Alltag und für viele auch die Arbeitsbedingungen auf den Prüfstand zu stellen, zu verändern und an vielen Stellen auf Liebgewonnenes und bisher für uns Wichtiges ganz zu verzichten. Dies alles nicht nur zu unserem eigenen Wohlergehen, sondern auch mit Blick auf das Wohl der anderen.
Wir sind in dieser Situation herausgefordert, bei dem, was wir tun die Auswirkung für den anderen mitzudenken. Sei es beim Besuch der Eltern, beim Einkaufen, wenn wir beim Arzt einen Termin vereinbaren oder wenn jemand aus unserem engsten Umkreis erkrankt. Diese große Herausforderung lehrt uns wieder einmal mehr den Bick füreinander. Auch dann, wenn es darum gehen wird, wie versorgen sich die Menschen in dieser Situation, die Frau von nebenan, die seit Jahren alleine lebt, die Familie gegenüber, deren Kinder nun zu Hause sind, das ältere Ehepaar, das jeden Morgen vom Pflegedienst versorgt wird, der junge Mann, der allein lebt. Ja, gewiss werden wir in dieses Tagen keine engen Kontakte aufnehmen, aber ein kurzes Gespräch über den Balkon oder Gartenzaun, ein Telefonanruf „Wie geht es Ihnen? Ich gehe einkaufen, kann ich etwas für Sie mitbringen?“ oder einen Zettel in den Briefkasten mit einem Gruß aus der Nachbarschaft …, da ist unsere Kreativität gefragt. Kleine Zeichen, die zeigen, da ist in dieser Unsicherheit noch jemand, der an mich denkt, der da ist, der auch zur und in der Not noch ansprechbar ist. Für Menschen, die allein sind, ängstlich und auf fremde Hilfe angewiesen, sind dies wichtige kleine Lebenszeichen. Üben wir in den nächsten Wochen diesen Blick, diese wichtige Haltung „Füreinander“. Eine Gesellschaft, die von diesem „Füreinander“ getragen ist, kann Herausforderungen und Krisen meistern, auch das hat uns die Geschichte gelehrt.
„Wer weiß, vielleicht komme morgen ich in die Situation und brauche jemanden, der für mich da ist.“
Für die kommende Woche wünsche ich Ihnen Gottes Segen und in aller Unsicherheit die Zusage Jesu: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage …!“

Simone Jäger, Dekanatsreferentin
Katholisches Dekanat Esslingen-Nürtingen