Ostern feiern

©Frank

„Papa, fällt Ostern dieses Jahr aus?“ Die Ostergottesdienste können vielerorts zum ersten Mal seit Menschengedenken nicht öffentlich in den christlichen Kirchen stattfinden. Das tut weh.   
Dennoch feiern Christinnen und Christen Ostern in aller Welt. Zu Hause. Im engsten Kreis, oft ohne Großeltern. Aber verbunden im Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Christen feiern nicht ohne Angst, mit so mancher Sorge und mit dem Schmerz, dass wir uns nicht körperlich nahe sein können. Aber, wir feiern. Auch via Telefon und Internet. Jugendliche sowieso, aber auch Enkel via Skype mit Oma und Opa.
Unsere Herzen sind voller Demut und Mitgefühl angesichts des Leids vieler Menschen in Krankenhäusern bei uns und an fast allen Enden dieser Erde. Das ist in diesem Jahr nicht grundsätzlich anders wie in allen Jahren zuvor. Dennoch feiern wir, sehen im Schlimmen noch deutlicher das viele Gute! Mit Hölderin: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“
Uns beschäftigen so manche schmerzlich offenen Fragen, auf die wir auch als Gesellschaft dringend bessere Antworten brauchen. Überall dort, wo unser Lebensstil zu Leid führt. Aber, wir feiern.  
In dunklen Zeiten wird im Licht der Osterbotschaft manches umso deutlicher. Wir sehen deutlicher, auf was er ankommt – und was im Grunde verzichtbar ist. Wir sehen, wie sehr wir einander brauchen, nicht erst an den Sterbebetten. Viele erleben in diesen Tagen auch, wie sehr alle Helfenden selbst Hilfe brauchen, alle Tröstenden selbst Trost und alle Liebende einen, von dem sie sich im Tiefsten geliebt wissen.  
Christen können und wissen nichts besser, aber sie wissen sich im Leben und Sterben getragen und geborgen in Gott. Weil das so ist, haben sie Kraft für andere einzustehen. Wie viele Pflegerinnen, Ärzte, Paketboten, Mitarbeiterinnen der Telefonseelsorge, Aushilfskräfte in der Landwirtschaft, Politikerinnen und Selbstständige, die auch für ihre Mitarbeiter kämpfen.
An Ostern feiern wir, dass nicht der Tod, sondern, das Leben das letzte Wort hat. Wir feiern, dass der leidgeprüfte und mitfühlende Gott in der Auferstehung Jesu Christi alle lebensfeindlichen Mächte endgültig besiegt hat.
Wir feiern, den Mut zum Leben. Der Geist von Ostern ist ein Geist der Hoffnung. Er sieht das aktuelle Leid bereits im Licht seiner zukünftigen Überwindung. Deshalb singen und spielen Christen ihre Hoffnungslieder aus ihren Fenstern. Und sie harren und halten aus, dass das Leben zerbrechlich ist.
Christen feiern schon jetzt, dass mit Gottes Hilfe in Zukunft ein anderes, ein rücksichtsvolleres, ein liebevolleres, nachhaltiges Leben möglich ist.
Christen üben praktische Nächstenliebe, kümmern sich, rufen die kranke Nachbarin an, kaufen für sie ein. Und sie bitten um Vergebung für sich und andere, wo wir hinter unseren Möglichkeiten bleiben.
Im Grunde ist jeder Sonntagsgottesdienst das ganze Jahr über ein kleines Osterfest. Ich freue mich schon jetzt sehr auf den nächsten öffentlichen Gottesdienst.
In vielen Kirchen ist es möglich, am Ostersonntag eine Kerze an der Osterkerze anzuzünden und nach Hause mitzunehmen. Es gibt eine Fülle an kreativen und überraschenden Ideen. Nein, Ostern fällt dieses Jahr nicht aus. Ganz im Gegenteil. Bleiben Sie behütet!

Pfarrer Markus Frank