Der Heilige Geist verleiht Flügel

©Holzwarth

Wirr war die letzte Zeit. Vielen hat die Krise beinahe den Boden unter den Beinen weggezogen. Selbstverständliche Sicherheiten gingen verloren.  Geschäfte waren geschlossen, Gottesdienste fanden nicht statt, der Flugverkehr brach fast vollständig ein, die Staus auf den Autobahnen hatten Pause, in den Vorgärten spielten Posaunen und Beifall wurde für die Hilfsdienste gespendet. Mittlerweile fahren wir auf Sicht. Langsam kehrt wieder das normale Leben zurück – vorsichtig, tastend und natürlich mit Abstand. Die Debatte um die Zukunft hat wieder begonnen – in der Gesellschaft und in den Familien. Gott sei Dank! Was kommt nach der Krise? Wie entwickelt sich mein Leben?

Pfingsten das Fest des kommenden Sonntags erzählt das Wunder vom Aufbruch in eine kraftvolle Zukunft. Menschen sind in einem Haus versammelt. Irgendwo, unscheinbar, austauschbar. Aber dann, wie wenn das Licht angeht, auf einmal steht das Haus im Mittelpunkt. Menschen kommen in Scharen, Fremde fühlen sich verstanden. Unbekannte Menschen werden interessant. Handwerker zeigen sich als begnadete Redner. Sie finden sich als Gemeinschaft wieder. Es ist eine überraschende Veränderung. Eine fremde Kraft bringt Leben und Farbe. Die Kraft ist wie ein Sturm. Der Sturm ist selber unsichtbar. Man sieht nur, was durch ihn geschieht. Menschen brechen auf. Sie gehen unter die Leute, sie fangen an zu reden. Sie reden von einer neuen Welt. Und sie treffen die Menschen ins Herz. Manche allerdings halten sie für besoffen. Die sind irre. Was ist das für ein Quatsch. Aber sie werden mehr. Hoffnung macht sich breit. Sie nennen es Heiligen Geist. Denn die fremde Kraft wirkt innerlich als Geist, der dem Körper Haltung und Ausstrahlung verleiht. Pfingsten als Fest des Geistes – der Kraft Gottes, die Menschen aufbrechen lässt.  „Die Frage ist nicht, welche Zukunft man hat oder erduldet, die Frage ist, welche Zukunft man haben will und wie man darauf hinlebt und hinarbeitet.“ schreibt der Journalist Heribert Prantl. Unsere Zukunft hängt auch von unseren Zielen ab, von dem was wir in Vertrauen, Liebe und Hoffnung voranbringen wollen. Das verspricht ein Aufbruch in die Zukunft mit der Kraft von Pfingsten. Etwas wollen, beharrlich dafür eintreten, sich nicht von den Rückschlägen fertigmachen lassen, unverdrossen anfangen und auf andere zugehen. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren und Widerstände überwinden.  Der Heilige Geist verleiht Flügel.

Dekan Michael Waldmann, Nürtingen