Die Grundlage

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Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1. Korinther 3,11

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“ dieses Zitat von Martin Luther gehört vermutlich zu den bekanntesten, das wir heute mit dem Reformationstag und der Reformationszeit verbinden. Da stand dieser Mönch vor ungefähr fünfhundert Jahren vor der kaiserlichen Versammlung und ließ sich nicht beirren. Er hatte biblische Grundlagenforschung betrieben und den großen kirchlichen Überbau seiner Zeit kritisch hinterfragt. Er wollte die Menschen an der Basis stärken und ihnen zeigen, worauf sie in ihrem Leben bauen und trauen konnten: auf Jesus Christus allein. Luther hatte erkannt: nur in dieser Person können wir uns der Gnade und Liebe unseres Gottes gewiss sein. Und er hatte erlebt, wie ihn diese Gnade und Liebe erfüllte und frei machte.

So fest verankert konnte er dann auch hinstehen und sich mutig zu dem bekennen, was ihn trug, obwohl es den Mächtigen seiner Zeit überhaupt nicht passte. So getragen wuchs dann auch eine der größten Reformbewegungen, die es in unserem Land je gab. Sie reichte weit über innerkirchliche Themen hinaus.

Interessanterweise bestand die Reform damals nicht darin, dass etwas ganz Neues „erfunden“ wurde, sondern darin, dass Menschen die alten Grundlagen neu „gefunden“ hatten und von da anfingen, etwas aufzubauen.

Daran können wir uns erinnern lassen, heute, am Reformationstag. Denn die frohe Botschaft von Jesus Christus ist zeitlos. Er ist der Grund, auf den bis heute Menschen bauen und trauen. Er ist der Grund, warum Menschen in vielen Ländern heute ebenfalls frei und mutig hinstehen, auch wenn es den Mächtigen nicht passt.

Ich denke, es ist kein Zufall, dass das Lied „Sing halleluja to the Lord“ in den letzten beiden Jahren für die Protestbewegung in Hongkong zur inoffiziellen Hymne geworden ist. Obwohl nur gut zehn Prozent der Bürger Hongkongs Christen sind, haben doch viele in dieses Osterlied mit eingestimmt, wenn es auf den Straßen gesungen wurde: „Jesus is King and Lord of all...“ Ein Grund mag gewesen sein, dass religiöse Versammlungen leichter stattfinden konnten, als politische. Ein anderer Grund war aber sicher auch, dass viele der jugendlichen Organisatoren tatsächlich ganz bewusst auf dieses Fundament bauen wollten. Sie waren verbunden mit dem Herrn des Lebens, dem die Herren und Mächtigen dieser Welt nichts anhaben können. Beten wir, dass sie weiterhin fest stehen werden.

Christina Hirt