Sonderausgabe Kommunion – Firmung – Konfirmation

©Peter

Leben in Beziehungen
Das Leben spielt sich in einem Geflecht unterschiedlicher Beziehungen ab. Nur ganz wenige Menschen fühlen sich zu einem Leben als Einsiedler berufen. Auch Menschen, die alleine, ohne einen Lebenspartner sind, treten immer wieder in Beziehung mit ande-ren Menschen. Wie zahlreich und wie intensiv diese Beziehungen sind, ist individuell. Doch Beziehungen sind immer wieder einem neuen Veränderungsprozess unterworfen. Beziehungen, die still stehen und eingefroren sind, sind leblos und starr, schon mehr tot als lebendig, weil sie nicht gelebt werden. Denn Leben ist Beziehung, und Beziehung ist Leben! Beziehungen sind so unterschiedlich, wie das Leben selbst!

Glauben in Beziehungen
Jeder gläubige Mensch bringt seinen Glauben mit seinem Leben in Beziehung. Auch ein Glaube, der nicht mit dem persönlichen Leben in Beziehung steht, ist mehr tot als lebendig, weil der nicht gelebt wird. Die individuelle Gestaltung des Glaubens ist so indi-viduell wie das Leben selbst. Leben und Glaube sind in einem ständigen Veränderungs-prozess. Der Glaube sucht auch immer die Beziehung, nicht nur zu meinem eigenen Leben, sondern auch die Beziehung zu anderen Menschen, die auch aus ihrem Glau-ben und mit ihrem Glauben leben. In diesen Beziehungen mit anderen Menschen zei-gen sich interessante und spannende, individuelle Unterschiede. Sie machen den Glauben erst lebendig und reizvoll. Für sich allein heimlich, still und leise glauben ist langweilig!

Kommunion als Glaubensgemeinschaft
In der katholischen Kirche werden alle Gläubigen jeden Sonntag zum Empfang der hei-ligen Kommunion, zum Empfang des heiligen Abendmahls, eingeladen. Obwohl alle Gläubigen immer auch Sünder und Sünderin sind, gilt diese Einladung von Jesus Chris-tus vorbehaltlos und immer. Eigentlich sollten wir besser sagen, nicht obwohl sondern weil wir Sünder und Sünderin sind! Denn diese Teilnahme nimmt unsre Sünden weg. Das deutsche Wort Kommunion leitet sich aus dem Lateinischen „Communio“ her und nichts anderes als Gemeinschaft. Gemeinschaft mit Christus und Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen.

Die Kinder, in der Regel mit neun Jahren, machen etwa ein halbes Jahr lang einen Vor-bereitungskurs zum Empfang der heiligen Kommunion. Die Kommunionvorbereitung endet dann mit der feierlichen Teilnahme an der Ersten Heiligen Kommunion. Dies ist ein Fest für die Kinder, die Familien und die Gäste, die von den Kindern eingeladen wer-den.

Während der Zeit der Kommunionvorbereitung erleben die Kinder die Stärkung durch die Glaubensgemeinschaft mit den anderen Kindern. Meistens ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass die Kinder sich als eigenständige Persönlichkeiten mit ihrem Glauben be-fassen und in der Gruppe sich damit auseinandersetzen. Manchmal entstehen in diesen Kommuniongruppen auch Freundschaften, die viele Jahre halten. Wenn dieser positive Nebeneffekt eintritt, dann werden auch hier Glaube und Leben miteinander verknüpft.

Firmung und Konfirmation als Stärkung
Mit etwa 15 Jahren entscheiden sich die Jugendlichen zur Firmung in der katholischen Kirche oder zur Konfirmation in der evangelischen Kirche. Beide Begriffe sind im Grund gleichbedeutend. In ihnen steckt das lateinische Wort firmare, und das heißt in deutscher Sprache festigen und bestärken. Die Entscheidung, ob die Jugendlichen an der Firmung beziehungsweise an der Konfirmation teilnehmen, sollte von den Jugendlichen selbst freiwillig, selbständig und ohne irgendeinen Druck gefällt werden.

Auch zu Konfirmation und Firmung machen die Jugendlichen einen Vorbereitungskurs. Auf ihre Weise setzen sich die Jugendlichen altersentsprechend in Gruppen mit ihrem Glauben und der Kirche auseinander. Kritische Fragen und Einstellungen sind dabei nicht nur erlaubt sondern ausdrücklich erwünscht. Von Gott ein geliebter Mensch zu sein, ohne Vorbehalte und ohne eine Leistung erbringen zu müssen; dies zu vermitteln ist ein Schwerpunkt in der Vorbereitungszeit. Die Jugendlichen werden auf einem Weg begleitet, an dessen Ende sie sich bewusst entscheiden, als Christ in der Gesellschaft zu leben. Die Jugendlichen lernen zu differenzieren, und auch wenn sie an unserer Kirche nicht alles ganz toll finden, sollen sie doch sagen können: Ja ich stehe zu meinem Glauben als Christ in kritischer Solidarität zur Glaubensgemeinschaft der katholischen beziehungsweise der evangelischen Kirche. Auf die Kraft des Heiligen Geistes vertrau-end, gehe ich zur Firmung beziehungsweise zur Konfirmation. Sollten den Jugendlichen innerhalb der Vorbereitungszeit aber zur Einsicht kommen, dass sie dieses Ja nicht aus freiem Herzen sagen können, dann ist es besser in diesem Jahr auf Firmung oder Kon-firmation zu verzichten! Und wer weiß, wie es später aussieht, denn dazu ist es nie zu spät, ein ganzes Leben lang nicht!

Peter Martin, Pfarrer
Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus, Weilheim an der Teck