WGT 2020 aus Simbabwe: Steh auf und geh!

©Stysch

„Steh auf und geh!“ Dazu fordern Frauen des ökumenischen Weltgebetstags-komitees aus Simbabwe auf.  Sie haben den diesjährigen Weltgebetstag vorbereitet, der weltweit am Freitag, den 6. März in über 120 Ländern gefeiert wird. Allein in Deutschland nehmen jährlich mehr als 800 000 Frauen daran teil. Motivation dafür ist nicht nur der Blick über den Tellerrand und ein Einblick in exotische Länder. Es geht auch um gelebte Solidarität zwischen Frauen über Ländergrenzen und Kulturen hinweg. Im Gottesdienst ergreifen Frauen das Wort, deren Stimmen sonst nicht gehört werden. Die simbabwischen Frauen sind stolz auf ihr Land. Sie berichten von Naturschönheiten wie den weltberühmten Viktoria-Wasserfällen oder Naturparks mit reicher Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Gleichzeitig beklagen sie Gewalt gegen Frauen und massive wirtschaftliche und soziale Probleme. Letztere sind Folge von Diktatur, Korruption und Inflation, die die jahrzehntelange Herrschaft des Regimes Robert Mugabe prägten. Auch der Klimawandel setzt der einstigen Kornkammer im Süden Afrikas zu. Das Leben ist für viele zum Überlebenskampf geworden. Bewundernswert sind die kreativen Lösungen, die Afrikanerinnen finden, um die Probleme des Alltags zu meistern. Ein Schlüssel dafür ist die Philosophie des „ubuntu“ – „Ich bin, weil wir sind“. Ubuntu – das ist gelebte Solidarität, gegenseitige Unterstützung und ein beeindruckender Gemeinschaftssinn. Frauen kämpfen auf den Knien, sagt man in Simbabwe, weil sie betend kämpfen. Wo andere nur ein Achselzucken übrig haben, wollen sie die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgeben. „Wir hören nicht auf zu beten“, sagen sie. „Auch für die Glaubwürdigkeit unserer Kirchen und unseres Landes“. Auch bei uns werden resignierte Stimmen laut. Das klare Nein von Papst Franziskus, Frauen zum Priesteramt zuzulassen und den Pflichtzölibat zu lockern, hinterlässt Enttäuschung und Unverständnis bei Reformwilligen. Steh auf und geh, dieses Motto setzt auf die Kraft des Glaubens, des Gebets, aber auch der Gemeinschaft. Einzelne können übersehen werden, aber Menschen, die sich zusammenschließen, haben Gewicht. ‚Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Frauen selbstbestimmt leben können‘, sagen die Frauen aus Simbabwe. ‚Steh auf und geh‘ – dieses Motto macht Mut verhärteten Strukturen ein ‚dennoch‘ des Glaubens und Lebens entgegenzusetzen.

Pfarrerin Kornelia Stysch aus Reudern