Ein Tag nur für die Bibel?!

©privat

Seit 45 Jahren feiern wir in Baden-Württemberg am letzten Sonntag im Januar den Ökumenischen Bibelsonntag. Er wird von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesellschaft, dem Katholischen Bibelwerk und der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste vorbereitet. Dabei werden im jährlichen Wechsel Texte aus dem Alten und den Neuen Testament betrachtet. Viele Kirchengemeinden verbinden den ökumenischen Bibelsonntag mit einer ökumenischen Bibelwoche.

Der Bibelsonntag möchte quer durch die christlichen Kirchen Impulse geben, die Bibel als Inspirationsquelle für den Alltag immer wieder neu zu entdecken und darüber ins Gespräch zu kommen.

Die Erfahrung zeigt, dass das gemeinsame Gespräch oft dort am Wertvollsten ist, wo sich Menschen verschiedener Sichtweisen darüber austauschen.
Das begegnet uns in vielen Lebensbereichen. Der gedankliche Austausch mit anderen bringt uns weiter, eröffnet uns neue Horizonte und hilft einander besser zu verstehen.
Es beeindruckt mich, dass ein Buch, das so alt ist, bis heute so viele Menschen beschäftigt und bewegt – unabhängig von ihrem Verhältnis zur Kirche.

Die Bibel hat unseren Alltag und unsere Gesellschaft durchdrungen, auch wenn wir das an vielen Stellen gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Eine ganze Reihe von Redensarten und Redewendungen gehen auf die Texte der Bibel oder deren Übersetzungen zurück.
Hier nur eine kleine Auswahl: Etwas ausposaunen; Ein Dorn im Auge; Im Dunkeln tappen; Mit Füßen treten; Auf Herz und Nieren prüfen; Das ist ja ein Tohuwabohu; Die Hände in Unschuld waschen; Jemandem die Leviten lesen ... Und auch viele, der uns bekannten Sprichwörter geben letztlich Weisheiten weiter, die in der Bibel gesammelt wurden und bis heute anerkannt sind.

Wir leben im christlichen Abendland und so haben die christlichen Werte der Bibel unsere Gesellschaft und unser Miteinander geprägt und tun es noch. Besonders deutlich wurde das für mich auch wieder in der gelebten Solidarität während der Corona-Pandemie. Aber es sind nicht nur die Werte, die vermittelt werden, es sind auch Geschichten und Bilder von ganz konkreten Verhaltensweisen, die diese Werte leben und so bei der Umsetzung in den Alltag Orientierung und Hilfe geben können. Die Bibel gibt uns einen großen Schatz an die Hand. Sie wirkt in vielfältiger Weise: Biblische Texte begegnen in Kunst und Literatur, bestimmen gesellschaftliche Prozesse, befördern den Dialog zwischen den Religionen und beleben im ganz persönlichen Zuschnitt das tägliche Leben. Schauen Sie doch mal wieder hinein!

Christine Flick, Wendlingen
Evangelisch-methodistische Kirche