Um den Segen müssen wir manchmal kämpfen

„Um den Segen müssen wir manchmal kämpfen!“ – Das stand als Untertitel auf dem Gottesdienstprogramm bei den Konfirmationen, die kürzlich in Tischardt und Linsenhofen stattgefunden haben. Als große Überschrift direkt darüber war zu lesen: „Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast!“

Im Gottesdienst ging es um die biblische Gestalt des Jakobs, dessen Lebensgeschichte in den Kapiteln 1. Mose 25 - 35 beschrieben wird. An zentralen Stellen dieser Lebensgeschichte geht es um den Segen Gottes. Jakob wird von seinem Vater mit einem besonderen Segen gesegnet, den eigentlich sein älterer Bruder Esau hätte erhalten sollen. Jakob muss in die Fremde fliehen und führt dort ein äußerlich gesegnetes und erfolgreiches Leben. Am Ende kehrt er wieder zu seiner Familie zurück; kurz bevor er seinem Bruder wiederbegegnet, kämpft er bei einer Flussüberquerung in der Nacht mit einer unerkannten Gestalt. Und am Ende des Kampfes, den keiner der beiden gewinnen kann, sagt Jakob: „Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast!“

Daraufhin wird Jakob tatsächlich noch einmal gesegnet; bekommt sogar einen neuen Namen zugesprochen, als ob er ein neues Leben beginnen soll. Aber dieser Kampf hinterlässt seine Spuren: Jakob kann nur hinkend und humpelnd weiterziehen.

Auch den Jugendlichen, die in diesen Wochen konfirmiert werden, kann es so vorkommen, als ob sie um diesen Segen bei der Konfirmation kämpfen müssten. In der ganzen Konfirmandenzeit und bei der Vorbereitung der Konfirmationen mussten sie auf vieles verzichten. Freizeiten wurden abgesagt, Termine verschoben, Unterricht mal präsent, mal digital durchgeführt.

Aber die Jugendlichen haben sich durch das Jahr durchgekämpft. Sie haben sich mit wichtigen Fragen des Glaubens beschäftigt; einiges auswendig gelernt und das, was sie an Gott und am Glauben beschäftigt, auch in eigene Worte gefasst. Zustande gekommen sind Texte und Aussagen, die mich an vielen Stellen sehr beeindruckt haben.

Jetzt stehen die Fragen im Raum: wann, wie und wo können die Jugendlichen konfirmiert und gesegnet werden? Findet der Gottesdienst in der Kirche oder im Freien statt? Wie viele der Angehörigen können am Gottesdienst teilnehmen? - An ein Fest mit den Familien und Verwandten ist momentan gar nicht zu denken.

Das sind keine einfachen Zeiten für diese Jugendlichen und ihre Familien. Und das Ringen um den Segen wird weitergehen. Aber eines ist gewiss: Wir lassen euch nicht gehen, ehe wir euch gesegnet haben!

Pfarrer Gerhard Bäuerle; Pfarramt Linsenhofen und Tischardt