Zukunft ist angesagt

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Seit vielen Jahren habe ich am 31. Dezember ein persönliches Ritual: Ich schaue mir meinen Kalender an und lasse Ereignisse und Bilder des vergangenen Jahres vor meinem inneren Auge noch einmal ablaufen. Heute mache ich das wieder, und es  ist anders. Viele Termine sind seit Anfang März durchgestrichen, weil sie so nicht stattgefunden haben. Andere Stellen sind mehrfach radiert, weil Planungen immer wieder verschoben werden mussten. Über all dem, was nicht so war, wie ich es vorher gedacht habe, muss ich aufpassen, die schönen Ereignisse, die es auch gab, nicht zu übersehen: Feste, die stattfinden konnten, ein Urlaub, der anders war und so gutgetan hat, Kontakte zu Menschen, die mir wichtig sind. Auch Bilder von überwältigender Hilfsbereitschaft, kreativer Nähe und beeindruckender Solidarität gehören zu meinem Jahresrückblick dazu. Das Gute nicht zu übersehen, ist in diesem Jahr eine besondere Herausforderung.  Wie sieht Ihr persönlicher Jahresrückblick aus? An welche schönen, ermutigenden und belebenden Augenblicke erinnern Sie sich neben dem Schwierigen im privaten und beruflichen Umfeld? Alles gehört zu 2020 dazu, das wir vor 365 Tagen begonnen haben mit dem Wunsch: „Ein gutes neues Jahr!“  

Auf ein besseres Jahr 2021 hoffen wir heute. Ist diese Hoffnung begündet? Ich denke an Einsicht und solidarische Rücksich, an das Engagement all derer, die Sorge tragen, dass das Leben jedes Menschen zu jeder Zeit geachtet und bewahrt wird. Dazu gehören AHA-Regeln ebenso wie fairer Handel und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Wir können gemeinsam viel tun, damit unsere Hoffnungen auf ein besseres Jahr echte Zukunftschancen haben. Konkrete Vorschläge und Ideen gibt es genug. Wir sind Teil einer neuen Zeit, die wir mit gestalten können. Im Alten Testament finde ich im Buch Jeremia einen anderen guten  Hoffnungsgrund. Der Prophet schreibt an Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, als Verschleppte im babylonischen Exil zu verzweifeln drohen: „Spruch des Hern: Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“. Was für eine Ansage! Jeremia hat kein Geheimrezept, keinen Masterplan, wie man dieser schwierigen Situation entkommen könnte. Er hat nur Gottvertrauen, und das gibt er weiter. In den dunklen Zeiten der Geschichte können Menschen den ganz anderen Möglichkeiten Gottes trauen, das ist seine Botschaft, dazu lädt er ein.

Der Gedanke, dass meine Zukunft eine Zusage Gottes ist, dass unsere Zukunft nicht nur in unseren Händen liegt, tut mir gut. Das macht mich gelassen: Nichts von dem zu lassen, was ich für die Zukunft tun kann, ohne an dem zu verzweifeln, was ich nicht in der Hand habe.
Ich wünsche Ihnen hoffnungsvolle Zuversicht und ein gutes neues Jahr 2021.

Barbara Strifler, Dekanatreferentin im Dekanat Esslingen-Nürtingen