Ostern - neues Glück

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Am 20. März war Weltglückstag. Ich hätte diesem Datum keine weitere Aufmerksamkeit gewidmet, beschriebe nicht eine Frau im Radio in wenigen Worten, warum sie bei allem derzeit Belastenden wirklich glücklich ist. Es hätte mein Glückszeugnis sein können. Daher beschloss ich glücklich zu sein. Um es mir besser merken zu können, verlegte ich meinen persönlichen Weltglückstag auf den 21.3.21.  
Sie werden sagen: „Sie Glücklicher, bestimmt geht es Ihnen einfach zu gut, wenn Sie in der Lage sind, während des Frühstück zu beschließen, spontan glücklich zu sein.“ Sie haben Recht. Es geht mir gut. Ich bin gesund, materiell und mit genügend Arbeit versorgt, habe erfüllende Beziehungen, leckeres Essen und sehe einen Sinn in meinem Dasein. Doch glauben Sie mir: Ich kenne auch das Andere: Sorgen, Verzweiflung, Schuldgefühle, diffuse Ängste, Traurigkeit, Selbstzweifel bis hin zu depressiven Momenten der absoluten Antriebslosigkeit. Aus vielen Gesprächen kenne ich die Schicksalsschlägen und Tragödien, die Menschen ereilen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob diese verschuldet sind oder nicht. Ich lese Zeitung und stelle mich den traurigen und ernüchternden Nachrichten aus Kirche und Welt, das oft hilflose Manövrieren durch Krisen. Richtig, es gibt genügend Anlässe und unglückliche Mitmenschen, für die ein Weltglückstag keine befriedigende Antwort bietet. Für die wirklich belastenden Erfahrungen rund um Leben und Tod bin ich dankbar, dass ich einen anderen Glückstag habe. Es ist der Ostersonntag. Er erinnert mich daran, dass ein liebender Gott zu mir sagt: Ich habe dein Leben und Sterben in meiner Hand und bin immer bei dir. Weil Gott in Jesus Christus „gestorben“ ist, gibt es keine Situation, wo er uns nicht zur Seite steht. Weil Jesus Christus auferstanden ist, gibt es keine Situation, wo kein Neuanfang möglich wäre. Das beginnt bei jedem kleinen Verzeihen und Vergeben untereinander. Denn nur so kann Gemeinschaft gelingen. Das gilt für eine Bundeskanzlerin, die Fehler einräumt und der man bei aller berechtigter Kritik die Chance eines Neuanfangs gewährt. Das gilt, wenn ich gelegentlich vor die scheinbar tiefe Sinnlosigkeit des Daseins gestellt werde oder wenn ich irgendwann einmal alles aus der Hand geben muss. Ich bin glücklich – nein gesegnet – dass ich weiß, dass Ostern mein Glückstag ist und mein Leben aus österlicher Perspektive und Vertrauen heraus erfüllt, lohnenswert ist und Zukunft hat. Ich wünsche Ihnen dieses Glück und frohe Ostern! 

 

Jürgen Hofmann, Leitender Pastor, Evangelisch-methodistische Kirche Bezirk Nürtingen