schaut hin – blickt durch – geht los

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Eine deutliche Einladung in drei Schritten stand am Ende des 3. Ökumenischen Kirchentages in der vergangenen Woche in Frankfurt und im weltweiten Netz. Ursprünglich geplant als großes dreitägiges Ereignis in der Stadt ist ein umfangreiches digitales Programm entstanden. In unterschiedlichen Formaten, Diskussionen, kulturellen Veranstaltungen, Bibelarbeiten und Gottesdiensten haben die großen christlichen Kirchen als Veranstalter den Blick auf die Herausforderungen der Zeit gerichtet – „schaut hin“. Hintergrundwissen, Erfahrung und Sachkenntnis braucht’s, um Fragestellungen zu durchdringen – „blickt durch“. Aus all dem können alte Wege weitergegangen, neue Weg gesucht und beschritten werden – „geht los“.

An diesem Sonntag feiert die Christenheit das Pfingstfest. Es ist eine Erinnerung an Aufbruch. Die Bibel erzählt davon, dass ein Brausen durch den Raum ging, in dem die Jünger Jesu versammelt waren. Ein neuer Geist hat Türen aufgemacht, Fesseln gesprengt und die Verängstigten hinausgetrieben aus ihrer Verschlossenheit und sie hineingestellt in das pulsierende Leben in Jerusalem.

Zwei Ereignisse - zweitausend Jahre auseinander.

Der Dreischritt „schaut hin – blickt durch - geht los“ hilft mir in schwierigen Fragen des Alltags, in den Herausforderungen der heutigen Zeit. Miteinander hinschauen auf die Nöte der Menschen, auf die Armut auch bei uns, auf die Folgen der Vereinsamung durch die Pandemie, auf die Lebensumstände der Geflüchteten, auf den Hunger in der Welt, die Kriege, die angespannt Lage im Nahen Osten, ist ein erster Schritt. Nicht aufzugeben, sondern durchzublicken bei den Ursachen, bei den verschiedenen Beteiligten, beim eigenen Anteil an diesen Ereignissen ist der zweite Schritt. Auch er kann nur miteinander gelingen im ehrlichen Suchen, im Abwägen, im Erkennen eigener Anteile. Hinschauen und Durchblicken macht weitere Schritte, macht ein Losgehen möglich.

Pfingsten ist ein Anlass, diesen Weg zu gehen, Neues zu wagen, die Menschen im Blick zu behalten und mutig nach Lösungen zu suchen und diese Lösungen anzugehen. In Jerusalem ist der Sturm, Bild für den Heiligen Geist, zur Kraft, zum Motor, zur Geistkraft geworden. Was will uns hindern, aufs Neue an Pfingsten mit dieser Geistkraft beschenkt, hinzuschauen, durchzublicken und loszugehen?

Paul Magino, Dekan, Wendlingen am Neckar