Auf was bauen wir?

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Heute ist Weltgebetstag. Sicher ganz anders als sonst. Die lebendigen und bunten Gottesdienste, wie sie sonst jedes Jahr am ersten Freitag im März rund um den Globus gefeiert werden, wird es so nicht geben und auch das gesellige Beisammensein mit landestypischen Speisen und Klängen muss pandemiebedingt ausfallen. Was jedoch bleibt: Frauen aus einem bestimmten Land stellen ihre Heimat vor und laden Christinnen und Christen auf der ganzen Welt ein, den Glauben in ihrer ganz typischen Art zu feiern. Dieses Jahr tun dies Frauen aus Vanuatu. Sie haben den Weltgebetstag 2021 überschrieben mit der Frage: „Auf was bauen wir?“


Diese Frage gewinnt an Schärfe, wenn wir uns vor Augen führen, dass Vanuatu ein Land ist, das dem Untergang geweiht zu sein droht – im wahrsten Sinn des Wortes: Im Weltrisikobericht steht das kleine Land im pazifischen Ozean an erster Stelle. Kein Land der Welt ist durch Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Erdbeben und Vulkanausbrüche mehr gefährdet als diese Inselgruppe. Der Klimawandel schlägt mit voller Wucht in Form von steigendem Meeresspiegel und schlechteren Ernten zu. Worauf bauen die Bewohner*innen von Vanuatu, wenn ihre Zukunft und das Land, auf dem sie leben, so gefährdet sind?


„Mit Gott bestehen wir“, so steht es auf dem Landeswappen der 83 Inseln. Ist das schon eine Art Antwort? Immerhin zählen die Menschen aus Vanuatu zu den glücklichsten Menschen der Welt. Gut möglich, dass das Geheimnis ihres Glücks in der Dankbarkeit liegt, die sie trotz all der Bedrohung empfinden: „Danke für die fruchtbaren Böden, die frische Luft, die saubere Umwelt, für den strahlenden Sonnenschein, das blaue Meer und für das stille, ruhige Wasser der Vanuatu-Inseln.“


„Worauf bauen wir?“ – eine Frage, die gerade in Pandemie-Zeiten für viele Menschen sehr dringlich geworden ist: Auf was vertraue ich? Was gibt mir Halt? Was ist mir wichtig? Was trägt mich – dann, wenn mir der Boden unter den Füßen wegzubrechen droht, wenn mir das Wasser bis zum Halse steht?
Gerne lasse ich mich von den Frauen aus Vanuatu an der Hand nehmen und anstecken von ihrem dankbaren Blick auf das, was mir das Leben schenkt, und von ihrem Vertrauen: „Mit Gott bestehen wir“. Ich lerne auch: Es ist nicht einfach nur blindes Gottvertrauen, das sich tatenlos in die Gegebenheiten fügt. In Vanuatu gilt seit 2018 das strengste Plastikverbot weltweit, außerdem hat der Inselstaat als erstes Land eine Klage gegen Unternehmen und Länder angestrengt, die fossile Brennstoffe in großem Stil verbrauchen. Das passt zum Namen des Landes, der übersetzt werden kann mit „Land, das aufsteht.“


Der Weltgebetstag aus Vanuatu hat eine hochaktuelle Botschaft. Möge sie gehört und gesehen werden: In Nürtinger Schaufenstern, wo Plakate noch bis Sonntag zu einem inspirierenden Rundgang einladen, in vielen Kirchen, in denen entsprechende Informationen und Materialien ausliegen, im Gottesdienst heute Abend um 19 Uhr auf BibelTV oder auf www.weltgebetstag.de.


Alexandra Holzbauer
Pastoralreferentin und Hochschulseelsorgerin
Nürtingen