Die Kirche im Dorf gelassen

Die Pfarrer Peter Schaal-Ahlers und Søren Schwesig sorgen als „Die Vorletzten“ für herzhaftes Gelächter in Altdorf

Die beiden Pfarrer Sören Schwesig (links) und Peter Schaal-Ahlers als Kabarett-Duo „Die Vorletzten“ in Altdorf bei den Altdorfer Tagen. Foto: Jüptner

18.01.2019, Von Daniel Jüptner

Bei den Altdorfer Tagen traten am Mittwoch in der Gemeindehalle zwei Pfarrer mit einem ungewöhnlichen Programm auf. Statt Andachten gab es von den „Vorletzten“ viele Pointen und Lacher.

ALTDORF. Ein gleichgeschlechtliches Storchenpaar lässt sich auf dem Pfarrhausdach nieder. Sofort stellt sich der Pfarrer die Frage: Was tun? Und vor allem, wer in der Kirche kann dies entscheiden? Es folgen aberwitzige Telefonate auf der Bühne zwischen dem Pfarrer und seinen Vorgesetzen, bis man sich auf die „Stuttgarter Lösung“ verständigt: Ein Sichtschutz schafft das Problem aus der Welt. Die beiden Protagonisten des Abends können es sich erlauben, solche, wenn auch nicht ganz alltägliche Belange der Kirche auf die Schippe zu nehmen. Denn hauptberuflich treten die beiden nicht mit Kirchenkabarett vor ihr Publikum, sondern mit Andachten: Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster, und Søren Schwesig der Stadtdekan von Stuttgart. Gemeinsam treten sie inzwischen seit 19 Jahren als Komiker-Duo „Die Vorletzten“ auf, so wie am Mittwoch in Altdorf.

Eingeladen hatte der evangelische Kirchenbezirk Nürtingen im Rahmen der Altdorfer Tage. Und es kamen so viele Besucher, dass das Platzproblem sogar seinen Weg ins Programm fand: „Ich musste in Bempflingen parken und herlaufen“, entschuldigt sich Schwesig gleich zu Beginn bei den Zuschauern und erntet zustimmendes Nicken und heiteres Gelächter. Schwesig sprach das Thema Platzmangel immer wieder an diesem Abend an und erheiterte damit das Publikum. Tatsächlich war die Parkplatzsituation rund um die Gemeindehalle in Altdorf katastrophal.

Auch Nicht-Kirchengänger kamen auf ihre Kosten

Mal gemeinsam, mal alleine standen die beiden Pfarrer auf der Bühne und schlüpften in ihre verschiedene Rollen. Dabei achteten sie in ihrem Programm darauf, dass auch Nicht-Kirchengänger voll auf ihre Kosten kamen. Die Kirche wurde an diesem Abend ohnehin guten Gewissens mal im Dorfe gelassen, denn aus Sicht manches Charakters auf der Bühne ist Religion ja ohnehin eine Sache, „um die kümmert sich meine Frau“.

Wichtiger scheint da, dass im Baumarkt die Einkaufswagen größer sind, damit sich Mann wieder als kleiner Bub fühlt und „brummbrumm“ machen kann. Oder dass man die Hecke des Nachbarn begehrt, nachdem dieser sie geschnitten hat.

So manches Mal ließen sich kirchliche Analogien zwar erahnen, doch aufgedrängt wurden sie nicht. Dafür gab es, gepaart mit Comedy, „eine Portion Nachdenklichkeit“, so Bürgermeister Joachim Kälberer. Und natürlich viele Lacher, bei denen auch Dekan Michael Waldmann nicht an sich halten konnte. Bei einem Programm, welches gekonnt die Landeskirche und des Mannes liebsten Hochdruckreiniger zusammenbringt, ist das wenig verwunderlich.