Freundschaft ist eine Verpflichtung

Die Altdorfer Tage stellen in diesem Jahr freundschaftliche Beziehungen in ihren Mittelpunkt – Vortrag mit Dr. Beate Weingardt

die Psychologin und Theologin Dr. Beate Dr. Beate Weingardt erklärte, warum wir Freundschaften brauchen. Foto: skr


16.01.2019, Von Sabrina Kreuzer

Was ist wahre Freundschaft? Rund um diese Frage drehen sich die Altdorfer Tage, die derzeit in der Gemeindehalle stattfinden. Gestern Nachmittag versuchte die Psychologin und Theologin Dr. Beate Weingardt eine Antwort auf die Frage, was wahre Freundschaft ausmacht und wie man diese am besten pflegt, zu finden.

ALTDORF. Die Altdorfer Tage sind eine Möglichkeit, alte Freunde und Bekannte zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und gemeinsame Stunden zu verbringen. Gemäß dem Motto „Wahre Freundschaft“ trafen sich gestern zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in der Altdorfer Gemeindehalle. Sie kamen nicht nur zum Plausch zusammen: Die Diplompsychologin und Theologin Dr. Beate Weingardt sprach zum Thema „Mit einer Freundin/einem Freund an der Hand ist kein Weg zu weit“.

„Enge Vertraute wünscht sich fast jeder“, sagte Weingardt: „In der heutigen Ego-Gesellschaft vergessen aber viele, dass man für Freundschaften auch etwas tun muss.“ In jungen Jahren merkt man oft nicht, wenn man einsam ist. Der Beruf und das Familienleben nehmen zu sehr in Anspruch. „Aber im Alter, wenn die Ruhe kommt, wer kommt dann?“, fragte die Diplompsychologin in die Menge.

Immer mehr Menschen droht das Schicksal der Einsamkeit. Obwohl es im digitalen Zeitalter leichter ist denn je, Kontakte zu pflegen, fühlt sich über ein Drittel der Deutschen oft einsam. „Es ist ein Unterschied, ob man alleine oder einsam ist“, betonte Weingardt: „Alleine sein muss man können, das tut man bewusst.“ Wenn jemand viele Leute kennt, heißt das nicht automatisch, dass diese Person auch viele Freunde hat. Zu einer Freundschaft gehört nämlich vieles, aber vor allem eines: Verpflichtung. Freunde fliegen niemandem zu, Freunde bedeuten Arbeit.

Freundschaft besteht aus Geben und Nehmen. Manchmal muss man mehr geben, manchmal muss man mehr nehmen. Das Entscheidende ist das Gleichgewicht. „Hilft man einem Freund einen steilen Berg hinauf, kommt man dem Gipfel selbst näher“, beschrieb Beate Weingardt. Laut ihr gibt es sieben Voraussetzungen für eine wahre Freundschaft: „Man sollte die Freiheit haben, zur Not in der Nacht anzurufen.“ Die Betonung liege auf der Not, denn nach dem Spätzles-Rezept kann man ein anderes Mal fragen.

Freunde sollte man um Hilfe bitten können. „Wenn es sein muss, auch um finanzielle Hilfe“, meinte die Referentin: „Viele sagen zwar, dass Freundschaft beim Geld aufhört, aber meiner Meinung nach gab es dann nie eine Freundschaft.“ Wichtig sei hier: Leihen ja, aber nur mit Unterschrift. „Das hat nichts mit Misstrauen zu tun. Man weiß eben nie, was kommt.“

Über persönliche Dinge sprechen zu können, macht eine gute Freundschaft aus: „Die Bedingung ist natürlich Verschwiegenheit.“ Besonders in kleinen Gemeinden weiß sonst gleich der ganze Ort über die Probleme Bescheid.

Daher müssen Freunde auch zuverlässig sein und sich gegenseitig Fehler verzeihen. Niemand ist perfekt. „Wer sich immer gleich beleidigt zurückzieht, ist nicht beziehungsfähig“, findet Beate Weingardt: „Man muss kritische Worte aushalten können.“

Bei so vielen Voraussetzungen, kann es durchaus nicht einfach werden, Freunde zu finden. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. „98 Prozent der Deutschen geben an, dass Freunde für das Glück am wichtigsten sind“, meinte Weingardt. Damit stehen sie sogar noch vor der Familie.

Doch auf was muss man achten, wenn man Freunde gefunden hat? „Die Feinde der Freundschaft sind fehlende Zeit, Missgunst, Egoismus und Entwurzelung“, sagte sie. Häufig fällt es Menschen schwerer einen Seelenpartner zu finden, wenn sie viel unterwegs sind oder oft umziehen.

„Einen Menschen zu lieben heißt, Zeit für ihn zu haben“, betonte Beate Weingardt: „Das gilt nicht nur für Beziehungen, sondern auch für Freundschaften.“

Im Rahmen der Altdorfer Tage findet heute Abend um 19.30 Uhr, in der Gemeindehalle ein Kabarett-Abend mit „Die Vorletzten“, alias Peter Schaal-Ahlers und Sören Schwesig statt