Nur einer bleibt in unmittelbarer Nähe

Mit der Ordinationsfeier läuft am Sonntag die zweieinhalbjährige Ausbildung der Vikare im Kirchenbezirk Nürtingen ab

Vom Vikar zum Pfarrer: Für Paul-Bernhard Elwert (links) und Jonathan Schneider steht am Sonntag die Ordination in der Nürtinger Stadtkirche an. Foto: Holzwarth

19.02.2019, Von Lutz Selle

Zweieinhalb Jahre lang haben sie in drei Gemeinden im evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen ihre praktische Ausbildung zum Pfarrer absolviert. An diesem Sonntag steht für Nicole Weber, Paul-Bernhard Elwert und Jonathan Schneider die feierliche Ordination an. Alle drei werden dann in anderen Pfarrstellen tätig: in Tuttlingen, Wendlingen und Schömberg.

Das Vikariat ist die praktische Vorbereitung auf den Beruf des Pfarrers. Voraussetzung für die Aufnahme in das Vikariat ist ein mit dem ersten Examen abgeschlossenes Universitätsstudium der evangelischen Theologie. Die praktische Ausbildung umfasst das zweite Examen und ist Voraussetzung für die Ordination in den Pfarrdienst. Die aktuellen Vikare haben ihre letzte Prüfung bereits absolviert und ihr Examenszeugnis erhalten.

Seit Oktober 2016 ist Jonathan Schneider als Vikar in der evangelischen Kirchengemeinde in Neuffen tätig. Pfarrer Gunther Seibold stand ihm dabei als Ausbildungspfarrer zur Seite. Im März wird Jonathan Schneider dann eine volle Pfarrstelle in Schömberg im Nordschwarzwald zwischen Pforzheim und Calw antreten. Er wird für die Orte Schömberg, Langenbrand und Oberlengenhardt zuständig sein. Durch die Vikarszeit in Neuffen fühlt er sich dafür gerüstet. Denn in der Vergangenheit hat er bereits mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst eigenverantwortlich vorbereitet und durchgeführt sowie regelmäßig Geburtstagsbesuche bei Senioren, Jugendkreistreffen, Religionsunterricht an der Schule und Konfirmandenunterricht gemacht.

Sorgen um die Weiterbeschäftigung als Pfarrer nach dem Vikariat hat sich Schneider nicht machen müssen. „Aktuell herrscht Pfarrermangel.“ Zudem würden zahlreiche Pfarrer kurz vor dem Ruhestand stehen. In der Vergangenheit gab es schon andere Zeiten: „In den 70er-Jahren gab es zu viele Vikare, die nicht alle übernommen werden konnten.“

Der Weg zum Pfarrer war für Jonathan Schneider nicht vorgezeichnet. „Ich habe angefangen, auf Lehramt zu studieren und wollte eigentlich Religions- und Mathelehrer werden.“ Schritt für Schritt habe er es sich aber immer besser vorstellen können, Pfarrer zu werden. Der Glaube habe für ihn schon immer „den wichtigsten Teil“ seines Lebens dargestellt. Schon als Jugendlicher sei er als Mitarbeiter in der Kirchengemeinde aktiv gewesen. Die Möglichkeit, Menschen vom Glauben zu erzählen und sie dabei zu unterstützen, im Glauben zu leben, sei schon lange sein Wunsch gewesen. „Und als Pfarrer ist man ja automatisch auch Reli-Lehrer.“

Am Pfarrerberuf gefällt ihm die „Bandbreite der Begegnungen“ von der Taufe bis zur Beerdigung. „Ich kann zum Beruf machen, was mein Leben privat bestimmt. Und ich darf mir Zeit nehmen, in der Bibel zu forschen.“ In einer Kirchengemeinde lasse sich zudem „vieles mitgestalten“.

Keine größere räumliche Veränderung steht für Paul-Bernhard Elwert an. Der bisherige Vikar der Kirchengemeinde Oberboihingen mit dem Ausbildungspfarrer Hannes Gaiser wird ab März als Pfarrer in Wendlingen arbeiten. „Meine Frau ist zurzeit Vikarin in Köngen. Darauf hat der Oberkirchenrat Rücksicht genommen.“ In Wendlingen könne er mit einer 75-Prozent-Stelle den seit einiger Zeit erkrankten Kollegen Helmut Buchmann vertreten. Insgesamt vier Personen werden sich dann künftig die Arbeit in der Eusebiuskirche, der Johanneskirche und der Kirchengemeinde Bodelshofen untereinander aufteilen. „Die Aufgaben im Team aufzuteilen bietet die Chance, danach zu schauen, wer in welchen Arbeitsbereichen die größten Begabungen mitbringt“, sagt Elwert.

An seinem Beruf schätzt er die „vielen verschiedenen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen“. Mit Begeisterung erinnert sich Elwert auch noch an sein Theologie-Studium: „Das ist so vielfältig. Man lernt alte Sprachen wie Griechisch, Hebräisch und Latein genauso wie einiges aus den Bereichen Seelsorge und Psychologie, Philosophie, Kunst und Geschichte.“

In den entscheidenden Situationen im Leben Menschen begleiten

Für die Ausbildung zum Pfarrer habe er sich nach dem Abitur in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kamerun entschieden. Dort habe er in einem kirchlichen Zentrum gearbeitet und gemerkt, welche Rolle der Glauben im Leben der Menschen spielt. „Auch in nicht einfachen Umständen gibt ihnen der Glaube Kraft.“ Beim Pfarrberuf empfinde er es als Privileg, mit vielen Menschen über Wesentliches sprechen zu dürfen.

Bis dato in der evangelischen Kirchengemeinde Reudern bei Pfarrerin Kornelia Stysch tätig war Nicole Weber. Sie wird auf eigenen Wunsch ab März als Pfarrerin in Tuttlingen arbeiten – ganz in der Nähe ihres Elternhauses. Dort wird sie sich eine Stelle mit einer Pfarrerin teilen und somit zu 50 Prozent tätig.

Ihre Berufsentscheidung erklärt sie folgendermaßen: „Nach dem Abitur war mein Interesse für die Theologie groß. Ich habe mich für das Studium entschieden, ohne damals genau zu wissen, in welche Richtung es danach weitergehen soll. Der Besuch verschiedener Gemeinden in Tübingen führte nach wenigen Semestern Studium zur Entscheidung für den Pfarrberuf.“ An diesem gefällt Nicole Weber „die Vielfalt an Aufgaben, mit Menschen aus allen Generationen in Kontakt zu kommen sowie an den entscheidenden Situationen im Leben Menschen begleiten zu können“.

Die nächsten Vikare stehen bereits in den Startlöchern. Der Kirchenbezirk Nürtingen wird diesmal sogar deren vier ausbilden. In Reudern wird ab dem 1. April Jan Schreder den Dienst aufnehmen. Die anderen neuen Vikare werden in Grötzingen, Linsenhofen/Tischardt und Wolfschlugen tätig.

Mit der Ordination endet die Vikarszeit für Nicole Weber, Paul-Bernhard Elwert und Jonathan Schneider an diesem Sonntag ab 10.15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Nürtinger Stadtkirche St. Laurentius.