Gottesdienst mit Lamas in Nürtingen

„Darf das Lama pupsen“ – diese Frage beschäftigte einige Kinder am vergangenen Montag

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Märchenerzähler Eckardt Zehner ©ziegler

Darf das Lama pupsen? Diese Frage beschäftigte einige Kinder am vergangenen Montag im -unter Einhaltung der Coronaabstände - vollbesetzten Innenhof  der Versöhnungskirche kurz vor Beginn des Schöpfungsgottesdienstes, zu dem das „Forum 55+“ des evangelischen Kirchenbezirks generationenübergreifend eingeladen hatte. Hatten doch die beiden Lamastuten „Luna“ und „Iska“, von Pfarrerin Ulrike Schaich bei ihrer Ankunft auf dem Gelände zur allgemeinen Erheiterung einige diesbezügliche Laute von sich gegeben.
Natürlich darf es! Insbesondere in einem Gottesdienst, in welchem es um die Verbundenheit alles Lebendigen geht. Diese Verbundenheit wurde erlebbar in der Gegenwart der aufmerksamen, für uns immer noch exotischen Tiere, deren ursprüngliche Heimat die Anden Südamerikas sind.  Lamas, so die Pfarrerin, die sich für das „Institut für Theologische Zoologie“ engagiert, sind Distanztiere. Sie halten gerne Abstand – sowohl zu den eigenen Artgenossen als auch zu den Menschen. Wird dieser vom Gegenüber akzeptiert und begegnet man ihnen mit Respekt, so werden sie zu zuverlässigen Partnern des Menschen. Beide Stuten und auch der in Ohmenhausen verbliebene Rest ihrer kleinen Herde haben die Pfarrerin schon auf vielen Pilgerwanderungen begleitet.
Märchenerzähler Eckardt Zehner alias Anton Knöselbein aus Linsenhofen nahm die Teilnehmenden mit hinein in die Vorstellungswelt der Ketschua und Guarani, der Völker der Anden, von denen er, in Wams und Märchenhut gekleidet,  drei Märchen vortrug. Tiere sind hier die Hauptprotagonisten, Lamas und eine Ente bringen die Menschen auf den Weg zu Frieden und Wohlstand, ein Hund gibt ihnen den Glauben an das Gute zurück und ein Vogel erinnert sie an die Kraft der Erde, die aus Tod Leben hervorbringen kann und damit zur Ernährerin für alle wird. So wird eine abgeschlagene Nase zum  Ursprung des Maisanbaus. Um das geschmacklich nachklingen zu lassen wurden an alle Teilnehmenden Maiswaffeln verteilt.
Ulrike Schaich stellte in ihren kurzen Predigtabschnitten die Märchen in Zusammenhang zu den biblischen Schöpfungsgeschichten und zu unserer Gegenwart. Ähnlich wie in den Märchen ist auch in den Schöpfungsgeschichten das Paradies kein Dauerzustand. Menschen können es verletzen, können aber auch zur Heilung der Verletzungen beitragen.  In gegenseitiger Verbundenheit und fürsorglicher Partnerschaft auf Augenhöhe mit der ganzen Schöpfung, der Erde, den Pflanzen und den Tieren. Das ist die Verantwortung, der sich die Menschen stellen müssen.
Ein Bläserteam unter Leitung von Gerhard Fiedler begleitete den Gottesdienst mit schwungvollen Stücken und Schöpfungsliedern und entließ die Teilnehmer gestärkt und ermutigt in den Alltag. Wobei es sich kaum einer nehmen ließ, noch einen Blick auf die Lamas zu werfen, die mittlerweile zufrieden an ihrem Heu knabberten.

Monika Petsch, forum 55+