„Offen für alle, aber nicht für alles“

Der Altenrieter Pfarrer Michael Walter wird am Sonntag mit einem Gottesdienst verabschiedet

Pfarrer Michael Walter geht in den Ruhestand: Am Sonntag wird er in einem Gottesdienst von Dekan Michael Waldmann entpflichtet. Foto: skr

20.07.2019, Von Sabrina Kreuzer

Stolz zeigt Michael Walter den Ausblick, den er von seinem Schreibtisch aus durch das dreieckige Fenster vor ihm hat: Es ist der perfekte Blick auf den Turm der St.-Ulrich-Kirche – seinen Arbeitsplatz. Sieben Jahre war er hier in Altenriet Pfarrer. Am Sonntag feiert er seinen Abschiedsgottesdienst.

ALTENRIET. In den 37 Jahren, in denen er als Pfarrer tätig war, hat Michael Walter viel erlebt. Bevor er nach Altenriet kam, teilte er sich Stellen mit seiner Frau Barbara Brückner-Walter, die seit 2003 Pfarrerin am Nürtinger Martin-Luther-Hof ist. „Wir kennen alle vier Prälaturen“, sagt Walter. Vom Stuttgarter Osten, wo er 1982 mit seinem Vikariat begann, ging es für ihn nach Ulm-Wiblingen, danach nach Reutlingen-Betzingen, in die Nähe von Heilbronn und dann vorübergehend in den Mainhardter Wald. „Es war eine Reise mit Wellenbewegungen“, sagt Walter rückblickend.

In Altenriet jedoch ist er angekommen. Daher fällt ihm der Abschied von der Kirchengemeinde nicht leicht. Auf der einen Seite freut er sich, mehr Zeit für Liegengelassenes und vor allem für die Familie zu haben: „Vor zehn Wochen bin ich zum ersten Mal Großvater geworden.“

Doch die Arbeit als Pfarrer brachte ihm seinen größten Reichtum: „Kontakte zu Menschen in unterschiedlichen Situationen zu haben.“ Er erzählt, wie er oft unangemeldet an Türen klingelte und von den Gemeindemitgliedern in ihre Leben eingeladen wurde. „Zu hören, was die Menschen erzählen, wie sie mit ihren Schicksalen umgehen“, bezeichnet Walter als Geschenk.

Für ihn selbst sind die Bibel und das Gesangbuch Kraftquellen, aus denen er in schweren Zeiten schöpft. Der Glaube bedeutet für ihn auch, den Geist nicht festzulegen, offen zu sein, Freiheit zu entfalten und miteinander zu leben. „Offen für alle, aber nicht für alles“, ist sein Leitsatz, der ihn seit seinem Studium begleitet. Von 1975 bis 1980 hat Walter in Tübingen, Mainz und nochmals Tübingen Theologie studiert. Der Wunsch, zu wissen, was wirklich in der Bibel steht, begleitete ihn durch seine Jugend. Er war stets engagiert, egal ob in der Kinderkirche, in der Jungschar oder später im Zivildienst.

In seinen Dienstjahren hatte er viele Schlüsselerlebnisse, auf die er gerne zurückblickt und die sein Leben stark beeinflusst haben. Dazu zählt Walter unter anderem ein Freisemester in Jerusalem im Jahr 2012. „Dort habe ich viel gelesen, mich auf das Land, die Leute, Begegnungen und Gespräche konzentriert“, erzählt er von seinem Aufenthalt. Aber auch ein Wochenendseminar zur alten Kirchengeschichte hat ihm „neue Horizonte eröffnet“. In einem Aufsatz über die christologische Glaubensformel las Walter eine Definition Jesu: „Die Frage, wer Jesus ist, wurde mit Negationen beantwortet. Wir können zwar nicht genau sagen, wer Jesus ist. Dafür wissen wir umso besser, was er nicht ist.“

Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Michael Walter fand am Sonntag, 21. Juli, um 10.15 Uhr in der St.-Ulrich-Kirche in Altenriet statt. Dekan Michael Waldmann würdigte und entpflichtete Michael Walter im Rahmen des Gottesdiensts .