Ein Abschied mit Tränen in den Augen

In all den Dankesreden kam große Wertschätzung für das Wirken von Renate Maier-Scheffler, fast 20 Jahre Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle, zum Ausdruck

Zum Abschied gab es Rosen mit Büchergutscheinen für die Chefin: Renate Maier-Scheffler, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen, zieht mit ihrem Ehemann Wolfgang nach Norddeutschland in die Nähe der Tochter und übernimmt neue Aufgaben als Oma. Rechts im Hintergrund Kreisgeschäftsführer Eberhard Haußmann und Dekan Michael Waldmann, die für Maier-Schefflers großes Engagement dankten.

Renate Maier-Scheffler (links) mit ihrer Nachfolgerin Maria Neuscheler Fotos: ali

15.12.2018, Von Anneliese Lieb

Fast 30 Jahre wirkte Renate Maier-Scheffler in Nürtingen. Zunächst als Leiterin des Hauses der Familie und ab 1999 als Chefin der Diakonischen Bezirksstelle. Jetzt sagte sie Adieu und dankte für eine interessante und schöne Zeit. Den neuen Lebensabschnitt beginnt sie mit ihrem Ehemann Wolfgang in Norddeutschland. Dort lebt auch die Tochter mit Familie.
Zum Abschied gab es Rosen mit Büchergutscheinen für die Chefin: Renate Maier-Scheffler, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen, zieht mit ihrem Ehemann Wolfgang nach Norddeutschland in die Nähe der Tochter und übernimmt neue Aufgaben als Oma.

NÜRTINGEN. Der Diakonieladen, Teil der Diakonischen Bezirksstelle in der Plochinger Straße, bot den Rahmen für die Abschiedsfeier. Ein Ort, an dem viele Menschen ein- und ausgehen, die dankbar sind, dass es solche Einrichtungen in Nürtingen gibt und dort in der Beratung Menschen arbeiten, die den Schwächeren in unserer Gesellschaft zur Seite stehen und versuchen, Perspektiven aufzuzeigen.

Seit fast 20 Jahren ist auch Renate Maier-Scheffler eine verlässliche Größe in diesem Netzwerk. Ein wesentlicher Schwerpunkt ihrer Arbeit bei der Diakonischen Bezirksstelle war von Anfang an die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Sie hat sich nicht nur klar und durchschaubar positioniert, sondern mit ihren Mitarbeitern viele Veränderungen und neue Entwicklungen gemeistert. So erwähnte Marie Luise Härer, eine der langjährigen Mitarbeiterinnen, unter anderem den Umzug von der Heiligkreuzstraße in die Plochinger Straße, die Neugründung des Diakonieladens im Wörth und später den Umzug in die Plochinger Straße. Berücksichtigt werden in der Beratung mussten im Laufe der Jahre eine ganze Reihe neuer Gesetzeslagen – insbesondere in der Konfliktberatung.

Marie Luise Härer erwähnte in ihrer Laudatio auch die Verbundenheit Maier-Schefflers mit dem Kirchenbezirk oder die Fähigkeit der Chefin zur Strukturierung und Übersichtlichkeit. „Die Wertschätzung und Pflege der Mitarbeiter spürten wir all die Jahre, sie prägten ganz wesentlich deinen Führungsstil“, dankte Härer für das gute Miteinander im Team.

2005 wurde der Kreisdiakonieverband gegründet. Renate Maier-Scheffler übernahm den Fachbereich Schwangerenkonfliktberatung als Fachbereichsleiterin. Und aus der Ehe-, Familien- und Lebensberatung wurde die Sozial- und Lebensberatung. Hinzu kam das Projekt Wiwera, Abkürzung für wirksame Vernetzung Alleinerziehender, die Begegnungstage für Alleinerziehende, das Projekt ELLA (Erziehen, Leben, Lernen, Arbeiten) und ab 2016 der Fachbereich Flucht und Migration.

Große Wertschätzung für die Arbeit von Renate Maier-Scheffler kam auch in der Abschiedsrede von Dekan Michael Waldmann zum Ausdruck. „Sie stehen für eine Kirche, die sich um den Nächsten kümmert und Menschen am Rande der Gesellschaft in die Mitte nimmt.“ Waldmann zeigte auf, dass gerade die Arbeitsbereiche Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung sowie Flucht und Migration nicht nur sehr anspruchsvoll seien, „sondern immer wieder der Kritik ausgesetzt und der ethischen Urteilsfindung bedürftig“.

Darf Kirche sich in diesem Bereich betätigen? Waldmanns Antwort ist eindeutig. Dass sich die katholische Kirche aus diesem System zurückgezogen habe, darüber sei man bei der evangelischen Kirche nicht glücklich. „Denn wir wissen, dass es nicht hilft, die Hände in Unschuld zu waschen, aber die Frauen im Stich zu lassen, um damit keine Abtreibung zu verhindern, sondern höchstens das Leben der Frauen noch mit zu gefährden“. Maier Schefflers Aufgabengebiet, so der Dekan, sei nichts für Mutlose und Ängstliche, die alles richtig machen wollen, „sondern für Menschen, die das Leben in allen seinen Höhen und Tiefen mitgehen, und sich nicht scheuen dahin zu gehen, wo es wehtun kann“.

„Diakonie möchte nicht nur der Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein“

Dekan Michael Waldmann

Auch im Bereich Flucht und Migration habe Renate Maier-Scheffler immer selbstbewusst darauf hingewiesen, dass freie Träger wie die Diakonie nicht ergänzend tätig seien, als Flickschuster sozusagen, sondern auf Augenhöhe, partnerschaftlich und mit eigenen Ideen und Inhalten. In vielen Gremien habe die Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle mitgewirkt, um die Rahmenbedingungen für die Menschen, denen es nicht so gut gehe, zu verbessern. „Diakonie möchte nicht nur der Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein, sondern daran mitwirken, dass gerechte Verhältnisse in unserer Gesellschaft geschaffen werden“, sagte Waldmann und gab Maier-Scheffler gute Wünsche mit auf den Weg.

Dank für die gute Zusammenarbeit sagte Bürgermeisterin Annette Bürkner im Namen der Stadt Nürtingen. Renate Maier-Scheffler habe die Diakonische Bezirksstelle sehr erfolgreich und mit viel Fingerspitzengefühl geleitet. Der neuen Leiterin, Maria Neuscheler, wünschte Bürkner viel Erfolg und Freude bei den künftigen Aufgaben.

Mit Blumen hieß Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes, die neue Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle, Maria Neuscheler, willkommen. Die Nachfolgerin von Renate Maier-Scheffler ist Sozialpädagogin und Wirtschaftsjuristin und hat in den letzten 14 Jahren in der Schwangerenberatung im Diakonieverband Reutlingen gearbeitet – ein Wechsel von der Echaz an den Neckar. An der Fernuniversität in Hagen hat die 43-Jährige berufsbegleitend Wirtschaftsrecht studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. „Achtung für die Menschen unter uns, denen Wertschätzung versagt bleibt, ist im Kern das, wofür ich wirken möchte“, sagte Maria Neuscheler und bat um Offenheit und Engagement bei den Mitarbeitern, „um gemeinsam eine laute Stimme zu sein für die, die in der Gesellschaft keine Stimme haben oder zu leise sind, um gehört zu werden“.

Das letzte Wort hatte Renate Maier-Scheffler. Mit Tränen in den Augen dankte sie für gute Wünsche, streifte die wichtigsten Stationen und betonte, dass ihr Herzblut immer der Beratung gehört habe – vor allem der Arbeit mit Frauen und Alleinerziehenden. Den Kollegen dankte sie für das Miteinander. „Auch politisch für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen ist unser Auftrag und Selbstverständnis, an dem ich gerne mitwirkte.“ Der Verabschiedung, die von der bolivianischen Band „Alaya“ umrahmt wurde, war ein Gottesdienst mit den beiden Geistlichen Wannenwetsch und Lier vorausgegangen.