Magnolien zur Erinnerung

Schlaitdorf verabschiedet Pfarrer Herrmann und weiht das sanierte Gemeindehaus ein

 

Nürtinger Zeitung - Steffen Doluschitz

 

Die Gemeinde Schlaitdorf hat am vergangenen Sonntag ihren Pfarrer Ernst Herrmann in den Ruhestand verabschiedet. Zuvor hatte Herrmann am frühen Morgen den letzten Gottesdienst seiner offiziellen Amtszeit in der Kirche in Schlaitdorf gehalten.

SCHLAITDORF. Nicht unverständliches „Reden in Ekstase“ gehöre in die Gemeindeversammlung, sondern das klare Wort. Miteinander überlegen, was Gottes Wille ist – jetzt und hier –, darauf komme es an. Ernst Herrmann ist selbst einer, der klare Worte findet. Für seine „geradlinige Art“ und seine „ehrlichen und prägnanten Predigten“ bedankte sich der Erste Vorsitzende des Kirchengemeinderates Altenriet, Ulrich Singer, im Anschluss an Herrmanns Predigt.
Das renovierte Gemeindehaus mit neuer Außentreppe

Warum Herrmann nun seinen Dienst beendet? Er hat die gesetzliche Altersgrenze von 65 Jahren für den Pfarrersdienst erreicht, obwohl ihm „das überhaupt niemand ansehen würde“, sagt der Schlaitdorfer Kirchengemeinderat Günther Dachsel. Herrmann darf aber auch weiterhin freiwillig Gottesdienste halten, wenn er dies möchte.

Auf diese Freiheit, selbst gestalten zu können, freut sich Herrmann am allermeisten. So kann er nun „ohne Druck“ seine Tage gestalten. Als Erstes wolle er sich daranmachen, das Haus in Sonnenbühl-Genkingen zu renovieren, in dem er seinen Ruhestand verbringen wird. Der gelernte Schreiner möchte dabei „alles was geht selbst machen“.

Sein handwerkliches Talent konnte er auch in seinen neuneinhalb Jahren in Schlaitdorf einsetzen. Als „handwerklich überaus begabt“ lobte ihn Günther Dachsel.

Seine Fähigkeiten halfen Ernst Herrmann auch bei der Renovierung des Schlaitdorfer Gemeindehauses. Herrmann überwachte etwa den Bau der neuen Außentreppe und einer Behinderten-Toilette und die Vergrößerung der Küche. Das alles geschah in den letzten Jahren von Herrmanns Amtszeit. Die Baumaßnahmen des Sanierungsprojektes begannen im vergangenen Jahr.

Dabei hatte das Projekt bei den ersten Überlegungen vor vier Jahren aus finanziellen Gründen noch auf der Kippe gestanden. Nicht zuletzt dank des Engagements von Ernst Herrmann konnten jedoch so viele Spenden gesammelt werden, dass das Projekt möglich wurde und sogar am Ende noch Geld übrig blieb.

Ebenfalls verantwortete Herrmann die Renovierung der Orgel und der Lautsprecheranlage sowie die Renovierung des Pfarrhofs inklusive Mauer. Bei den Arbeiten schritten auch Mitglieder der Gemeinde ehrenamtlich zur Tat.

Das Schönste an der Arbeit in Schlaitdorf sei die Nähe zu den Menschen in einer überschaubaren Gemeinde gewesen, sagte Herrmann nach dem offiziellen Abschiedsgruß vom Schlaitdorfer Bürgermeister Dietmar Edelmann. Tatsächlich hat Herrmann die Bürgerinnen und Bürger „besucht, begleitet, in allen Lebenslagen beraten, mit Jugendlichen gearbeitet, Konfirmations- und Religionsunterricht gegeben, Sitzungen geleitet, getauft, Ehen geschlossen und Verstorbene zur letzten Ruhe begleitet“, so Edelmann. Durch sein Wirken habe er viele Akzente gesetzt und hinterlasse deutliche Spuren.

Bis zum Herbst 2019 übernimmt Altenriets Pfarrer Michael Walter

Edelmann schätzt sich und die Gemeinde glücklich: „Wir hatten einen echten Allrounder, der Seelsorger, Mesner, gelernter Organist, Manager, Hausmeister und Handwerker in einem ist.“ Und Bäcker eines „absolut leckeren“ Brotes, ergänzte Ulrich Singer. Zuverlässigkeit zeichne ihn aus und, wenn nötig, auch mal Hartnäckigkeit.

Von nun an übernimmt für gut ein Jahr der Altenrieter Pfarrer Michael Walter zusätzlich die Pfarrstelle in Schlaitdorf. Ab Herbst 2019 – wenn auch Michael Walter im Ruhestand ist – wird es einen neuen, gemeinsamen Pfarrer für Schlaitdorf und Altenriet geben.

Als Erinnerung, sowohl für die Gemeinde als auch für Pfarrer Herrmann, gab es zwei Magnolien. Eine große wurde am Pfarrhof gepflanzt und eine kleine bekam Ernst Herrmann für sein neues Zuhause in Sonnenbühl-Genkingen. So werden ihm der vergangene Sonntag und die gesamte Zeit in Schlaitdorf wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Genau wie sein Lieblingslied „Wie groß ist des Allmächt’gen Güte“, das die Gemeindeglieder in der voll besetzten Kirche am Sonntag noch einmal für ihn erklingen ließen.