Pfarrersehepaar nimmt Abschied

Mit dem Weggang von Pfarrer Stefan Wannenwetsch und Pfarrerin Ute Biedenbach wird die Pfarrstelle Nord vorläufig unbesetzt sein

Die Tage sind gezählt – Pfarrerin Ute Biedenbach und Pfarrer Stefan Wannenwetsch kehren der Eusebiuskirche den Rücken. Foto: Kiedaisch

18.07.2019, Von Gaby Kiedaisch

Nach fast 21 Jahren als Pfarrer in Wendlingen nehmen Ute Biedenbach und Stefan Wannenwetsch Abschied von ihrer Kirchengemeinde. Sie gehen „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung eingestanden haben.

WENDLINGEN. Mit einem festlichen Gottesdienst wird sich das Pfarrersehepaar am kommenden Sonntag von den Gemeindemitgliedern in der Eusebiuskirche verabschieden. Doch das wird nicht die letzte Gelegenheit sein, ihnen „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Pfarrerin Ute Biedenbach wird sonntags drauf, am 28. Juli, um 10.30 Uhr zum letzten Mal den Gottesdienst im Grünen beim Vereinsheim des Schwäbischen Albvereins Wendlingen auf der Halde zelebrieren.

Wie es künftig mit dem Gottesdienst im Grünen weiter gehen wird, das sei noch nicht geklärt. Der Open-Air-Gottesdienst, wie man auf Neudeutsch sagt, war von der Pfarrerin vor 21 Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde in Wendlingen eingeführt worden und gehört seitdem zu den wiederkehrenden jährlichen Terminen, die auf ihre Initiative in Gang gesetzt worden sind, so wie der Ökumenische Wandelgottesdienst an Pfingstmontag und der Lebendige Adventskalender, der in der Vorweihnachtszeit dazu beiträgt, die Menschen einander näher zu bringen, in der hektischen Zeit den Gang ein wenig herauszunehmen und auf Weihnachten einzustimmen.

Viele Menschen haben das Pfarrersehepaar begleitet

Viele Menschen haben Ute Biedenbach und Stefan Wannenwetsch während ihrer Zeit in Wendlingen kennengelernt. Beide kennen viele von Kindesbeinen an, von der Taufe über den Religions- und Konfirmandenunterricht bis zur Begleitung als Verheiratete und Familie. Begegnungen mit Menschen gab es in allen Lebenslagen. Darunter solche in schwierigen Zeiten und bis zum Tode.

Was heute so selbstverständlich ist, wie das Amen in der Kirche, so war damals eine Frau als Pfarrerin in verantwortungsvoller Position noch relativ neu. Ute Biedenbach war die erste Pfarrerin überhaupt in Wendlingen. Da musste mancher in der Gemeinde erst einmal lernen, damit umzugehen.

Stets geschätzt hat Ute Biedenbach die Zusammenarbeit mit den Vereinen. Ein wichtiger Bezugspunkt war der des Städtlesfests, das alle drei Jahre zwischen Pfarrhaus und Eusebiuskirche stattfindet. „Dadurch habe ich den großen Reichtum an Vereins- und Verbandsarbeit kennengelernt“, sagt Biedenbach, bei der organisatorische Fäden des Fests in all den Jahren zusammenliefen.

„Bodelshofen war mir ein großes Anliegen“, blickt Biedenbach auf den Wendlinger Stadtteil, mit seiner eigenen Kirchengemeinde, eine der kleinsten im Land. So nahm die Pfarrerin die Sanierung der Feuchtigkeitsschäden in der Jakobskirche stark in Beschlag. Mit den Kirchenführungen wird es durch den Weggang der Pfarrerin aber erstmal ein Ende haben.

Tradition hat der ökumenische Kanzeltausch am Bibelsonntag. Er geht auf Pfarrer Stefan Wannenwetsch zurück. Auch die Bibelgesprächskreise habe ihm immer viel Spaß gemacht, sagt Wannenwetsch, der als Pfarrer neben Gottesdiensten, Seelsorge, Hausbesuchen und Konfirmandenunterricht weitere Tätigkeiten hatte, so als Bezirksdiakoniepfarrer, im Vorstand der AG Hospiz Kirchheim sowie in weiteren überörtlichen Gremien der evangelischen Kirche. Seine Hauptaufgabe war jedoch die Geschäfte der Kirchengemeinde Wendlingen zu führen. Als geschäftsführender Pfarrer war er damit an der Fusion der beiden Kirchengemeinden Wendlingen und Unterboihingen maßgeblich beteiligt. Vor elf Jahren war mit den Überlegungen zur Fusion und Immobilienkonzeption begonnen worden. Ein schwieriger Prozess begann, man erinnert sich, der mit der Fusion am 1. Januar 2013 zwar vollzogen war, aber nicht bei allen Mitgliedern in der Unterboihinger Kirchengemeinde Zuspruch gefunden hatte.

Pfarrer Wannenwetsch spricht dann auch von „einem guten Projekt und einer einmaligen Gelegenheit für die Kirchengemeinde in einer sich verändernden Gesellschaft“, als das Gespräch auf das geplante Gemeindezentrum stößt. „Schade, dass wir die Früchte dieser Arbeit nicht mehr miterleben werden“, ergänzt Pfarrerin Ute Biedenbach. Umso trauriger sind beide darüber, dass sich wegen des Bauprojekts der Umgang mit einigen Kirchenmitgliedern verändert habe. Das mussten beide schmerzlich erfahren.

„Wir gehen mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge“
Stefan Wannenwetsch und Ute Biedenbach

„Wir gehen mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge“, sagen sie. Weinend, wegen der vielen guten Erfahrungen und Kontakte. Besonders zur Stadtverwaltung Wendlingen habe man einen tollen Kontakt gehabt, genauso zur Ökumene und den Vereinen. Und lachend, weil in Birkenfeld und im Kirchenbezirk Neuenbürg bereits neue Aufgaben auf das Pfarrersehepaar warten.

Mit dem Schwerpunkt auf Kindergärten wird Pfarrer Stefan Wannenwetsch am 9. September die erste Pfarrstelle von der evangelischen Kirchengemeinde in Birkenfeld bei Pforzheim antreten. Erste Anfragen zu Gottesdiensten gäbe es bereits, freut sich der Pfarrer. Seine Frau, Ute Biedenbach, wird als Seelsorgerin für Alten- und Pflegeheime und für besondere Projekte im Kirchenbezirk Neuenbürg Neuland betreten. Denn bislang gab es dort diese Stelle noch nicht. Und so freut sich die Pfarrerin, die Pflegeheime mit Interaktion in die Orte zu integrieren.

Doch bevor der Umzug Ende August nach Birkenfeld ansteht, möchte das Pfarrersehepaar noch einige freie Tage genießen und Urlaub machen.

Der festliche Abschiedsgottesdienst ist am Sonntag, 21. Juli, um 9.30 Uhr in der Eusebiuskirche.