Arbeitsgemeinschaft Hospiz Nürtingen: Viel Bedarf an Trauerbegleitung

AG Hospiz Nürtingen lud im Jubiläumsjahr zur Online-Versammlung ein

Sterbebegleitung ist in Zeiten von Corona gerade kaum möglich

17.05.2021 NÜRTINGEN (pm). Deutlich weniger Sterbebegleitungen, dafür viel mehr Trauerbegleitungen als in früheren Zeiten brachte das vergangene Jahr der Arbeitsgemeinschaft (AG) Hospiz Nürtingen. Diese Bilanz zog die Einsatzleiterin der AG, Gabi Grünewald-Graf, bei der digitalen Mitgliederversammlung jüngst. Die Coronapandemie hat auch bei der Arbeit der AG Hospiz vieles verändert, berichtete sie.

In dieses Jahr gestartet war die AG mit ihrer neuen Vorsitzenden, Kirchenrätin i. R. Bärbel Hartmann. Sie übernahm im vergangenen Herbst dieses Amt von ihrem Vorgänger Jochen Schnizler, der es 16 Jahre lang innegehabt hatte. Ebenfalls gewechselt hatte die Geschäftsführung; die Diplom-Verwaltungswirtin Kerstin Kugel ersetzte ihren ebenso langjährigen Amtsvorgänger Jörg Bauknecht.

Hartmann benannte in ihrem Bericht den Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit mit der neu gestalteten Homepage und dem druckfrischen Jahresbericht sowie die Mitwirkung der AG Hospiz beim Gottesdienst zur Woche des Lebens in Frickenhausen. Einen weiteren Personalwechsel gab es bei der hauptamtlichen Einsatzleitung der AG. Nachdem Karen Renftle bei der letzten Mitgliederversammlung im Oktober ihren Weggang angekündigt hatte, stellte sich nun ihre Nachfolgerin Heidi Ellinghaus vor. Die gelernte Pharmazeutisch-Technische Angestellte hatte nach dem Studium der sozialen Arbeit bereits sechs Jahre als Koordinatorin eines Hospizdienstes gearbeitet, bevor sie im Dezember zur AG Hospiz in Nürtingen kam. Seit April übernimmt sie nun 70 Prozent der Einsatzleitung, weiterhin unterstützt von Gabi Grünewald-Graf.

Ellinghaus tritt die neue Position in schwieriger Zeit an. Sie freue sich, endlich alle ehrenamtlichen Mitglieder persönlich kennenzulernen, wenn dies wieder möglich sei. Derzeit sind coronabedingt fast alle Treffen innerhalb der AG gestrichen; Schulungen, Seminare und gemeinsame Unternehmungen der derzeit 46 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können gerade nicht stattfinden. Auch Supervision geht lediglich online.

Besonders schade ist dies auch angesichts des 30-jährigen Bestehens der AG Hospiz in diesem Jahr. Bärbel Hartmann ist jedoch sehr zuversichtlich, dass dieses Jubiläum am 20. Juni bei einem Freiluft-Gottesdienst auf dem Hohenneuffen gemeinsam gefeiert werden wird.

Wie wichtig gerade auch die Supervision in der Hospizarbeit ist, bekräftigte ein kurzes Gastreferat von Christiane Dehlinger.

Weniger Anfragen bei häuslichen Begleitungen

Die Trauerpädagogin aus Bopfingen ist regelmäßig als Supervisorin bei der AG Hospiz in Nürtingen. „In der Hospizarbeit ist seit Corona nichts mehr wie davor“, berichtet auch Gabi Grünewald-Graf.

„Das, was wir eigentlich tun wollen, die Menschen beim Sterben zu begleiten, können wir zurzeit kaum machen“, bedauert sie sehr. Gerade bei häuslichen Begleitungen gingen die Anfragen stark zurück – aus Angst vor einer möglichen Corona-Infektion. Das obwohl die ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeitenden inzwischen alle impfberechtigt seien und zudem auchg regelmäßig getestet würden.

Insgesamt schlossen die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr lediglich 26 Sterbebegleitungen ab. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es 48 Begleitungen. Statt der fast 1500 Einsatzstunden 2019 waren es nur knapp 500 im vergangenen Jahr. Dafür sei die Nachfrage bei Trauerbegleitungen hingegen stark gestiegen, berichtete Grünwald-Graf. Die Treffen beim Trauercafé müssten derzeit zwar auch ausfallen. Jedem Hilfesuchenden wurde aber eine persönliche Einzelbegleitung angeboten. Sogar das Trauerwandern konnte im letzten Monat unter Einhaltung aller Coronaregeln mit 14 Teilnehmern stattfinden, freute sich Grünwald-Graf. Der eigentlich fürs vergangene Jahr bereits geplante „Letzte-Hilfe-Kurs“ soll spätestens Ende 2021 nachgeholt werden.

Finanziell gesehen war das letzte Jahr hingegen erfreulicher, wie Kerstin Kugel beim Rechnungsabschluss für 2020 aufzeigte. Statt der geplanten Entnahme von über 11 000 Euro aus den Rücklagen der AG blieben am Ende sogar noch über 600 Euro übrig. Grund dafür sind deutlich höhere Spenden als erwartet.

Virtuelle Blumen und ein echtes, dickes Dankeschön hatte die AG-Vorsitzende schließlich noch für Renate Matrohs, die seit 30 Jahren beim Hospizdienst dabei ist, sowie für Rosemarie Bernutz, die seit 25 Jahren in der AG mitarbeitet. Dazu gab’s das Versprechen auf einen realen Blumenstrauß samt Büchergutschein in Bälde.