„Der Himmel ist nur einen Herzschlag weit entfernt“

Die 48. Altdorfer Tage beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Thema „Wo Gott ist, da ist Himmel“

Pfarrerin Ulrike Schaich (links) und Brigitte Rühle brachten den Besuchern der Altdorfer Tage den Himmel ein Stück näher. Foto: skr

15.01.2020 05:30, Von Sabrina Kreuzer

Gott ist überall, genau wie der Himmel. Doch was haben die beiden miteinander zu tun? Was ist der Himmel? Wo ist Gott? Diesen Fragen stellten sich die Veranstalter der Altdorfer Tage, die in diesem Jahr keinen Referenten einluden, sondern sich selbst mit dem Thema beschäftigten.

ALTDORF. Es gibt viele Geschichten rund um den Himmel und noch mehr Sprüche über ihn, die wir im Alltag nutzen: „Das weiß der Himmel“, „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ oder „Der Himmel auf Erden“ sind nur wenige von vielen.

„Wo ist der Himmel?“, fragte Dora Schultheiß gestern Mittag. Zusammen mit Pfarrerin Ulrike Schaich und Waltraud Kurz aus dem Organisationsteam übernahm sie das Programm der diesjährigen Altdorfer Tage. „Wir haben uns so viel mit dem Thema beschäftigt“, sagte Schaich, „dass wir uns an ein Experiment gewagt und gesagt haben, wir referieren selbst.“

Rund 200 Menschen aus Altdorf und den umliegenden Gemeinden kamen für dieses Experiment in die Gemeindehalle. „Das Wertvolle und die Selbstverständlichkeit sind für mich das Schönste an den Altdorfer Tagen“, so Schaich. Viele der Besucher kommen schon seit Jahren und freuen sich immer wieder auf die Bekannten, die sie hier treffen. Manche von ihnen würden sich laut der Pfarrerin nur hier sehen. „Die Gemeinschaft und die Freiheit, Themen zu wählen, das macht die Veranstaltung besonders“, sagte die Pfarrerin.

Regenbogen sind eine Verbindung zwischen Gott und den Menschen

Für die Veranstalter ist der Himmel nicht nur das, was wir jeden Tag über unseren Köpfen sehen: Der sichtbare Himmel sei nur ein Zeichen, hinter dem das Unsichtbare wirke. „Im Englischen spricht man von ‚heaven‘“, sagte Waltraud Kurz. „Das ist etwas, das man nicht verorten kann, es ist ewig und unendlich.“ Und dieser Himmel sei nicht nur über, sondern auch um uns herum und vor allem in uns. „Wir brauchen ihn, denn er gibt unserer Sehnsucht eine Heimat“, so Kurz.

Im Himmel würden nämlich nicht nur Flugzeuge fliegen, dort „lebten“ die Planeten und Sonnen, aber auch Gott. „Wie komme ich in den Himmel?“, fragte Dora Schultheiß weiter. Das sei noch immer ein Geheimnis, meinte Kurz.

Eine Verbindung zwischen den Menschen auf der Erde und Gott im Himmel seien Regenbogen. „Es gibt nicht nur reale Verbindungen, wie Leitern, sondern auch überirdische“, so Kurz. „Schon bei Noah gab es einen Regenbogen als Verbindung zu Gott.“ Jesus werde oft als Richter abgebildet, der auf oder in einem Regenbogen sitzt, um somit seine Göttlichkeit darzustellen.

Der Himmel sei jedoch nicht immer einladend, er könne oft auch abweisend, bedrohlich und verschlossen sein. Um ihn zu betreten, bräuchte man einen Himmelsschlüssel, die in Form von Schlüsselblumen überall in der Gemeindehalle zu finden waren. „Die Himmelsschlüssel sind leicht zu übersehen und lassen sich nicht drängen“, betonte Pfarrerin Schaich. Mit viel Behutsamkeit und gegenseitiger Hilfe würden die Blumen erblühen und das Tor zum Himmel öffnen.

Auf dem Weg dorthin müsse man seinem Herzen folgen, denn „der Segen liegt auf der Suche“, so Schaich. „Der Himmel ist nur einen Herzschlag weit entfernt.“