Begleiter für die letzte Phase des Lebens

Arbeitsgemeinschaft Hospiz Nürtingen sucht Ehrenamtliche, die Zeit haben für Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen

Beistand am Lebensende: Die Arbeitsgemeinschaft Hospiz Nürtingen sucht Ehrenamtliche. Frauen und Männer aus dem Kirchenbezirk Nürtingen sind am kommenden Montag zum unverbindlichen Informationsabend eingeladen. Foto: Hospiz-AG

15.11.2018, Von Anneliese Lieb


Für die einen ist der Tod ein Tabu-Thema. Andere bereiten sich intensiv auf das Ende vor. In der Phase des Ablebens nicht alleine zu sein, das ist vielen Menschen ein Herzensanliegen. Eine wertvolle Hilfe auf dem schweren Weg sind für Sterbende und Angehörige in Nürtingen die Ehrenamtlichen der Arbeitsgemeinschaft Hospiz, die jetzt wieder Verstärkung suchen.

NÜRTINGEN. Wer sich auf dieses schwere, sehr emotionale, aber auch bereichernde Ehrenamt einlässt, will gut vorbereitet sein. Deshalb lädt die Arbeitsgemeinschaft Hospiz, die für den gesamten Kirchenbezirk Nürtingen zuständig ist, am kommenden Montag, 19. November, zum Informationsabend ein. Treffpunkt ist um 19 Uhr in der Diakoniestation Nürtingen. Karen Renftle und Iris Rischmüller geben umfassende Auskunft über die Voraussetzungen, die Vorbereitung auf die Sterbebegleitung und die unterschiedlichen Themen, die im sechs Monate dauernden Schulungszyklus angesprochen werden. „Jeder kann sich zunächst unverbindlich informieren, bevor er sich für die Kursteilnahme entscheidet“, lädt Karen Renftle zum ersten Abend ein.

„Kernaufgabe der Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit ist die psychosoziale Begleitung“, sagt Karen Renftle, Einsatzleiterin beim ambulanten Hospizdienst. „Schwere Krankheiten fordern die Betroffenen wie auch deren Angehörige und Freunde oft über ihre Grenzen hinaus.“ Deshalb wird das Angebot der Arbeitsgemeinschaft Hospiz seit Jahren dankbar angenommen. 40 Hospizbegleiter stehen für Einsätze bereit. Da Mitarbeiter auch aus Altersgründen aus dem Team ausscheiden, sind neue Begleiter willkommen.

Egal ob im Pflegeheim oder zu Hause in den eigenen vier Wänden – die Sterbebegleiter stellen sich dieser individuellen Herausforderung gut vorbereitet. Zentrales Element des im Januar beginnenden Schulungszyklus ist für die Teilnehmer die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung gegenüber Sterben und Tod. Weitere Themen sind Kommunikation, Wahrnehmung, Trauerarbeit, religiöse, rechtliche und medizinische Fragen sowie eine Einführung in praktische Handreichungen und Netzwerkarbeit.

Und was muss jemand mitbringen, der sich für das Ehrenamt in der Arbeitsgemeinschaft Hospiz interessiert? „Maßgeblich für eine erfolgreiche Kursteilnahme und damit auch für gelingende Hospizarbeit ist die Bereitschaft, sich auf die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit einzulassen, und Schmerz, Leid und Trauer als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen“, bringt Karen Renftle das Wesentliche auf den Punkt.

Zur umfassenden Schulung gehört auch ein Praktikum

Bereit sein müssen die Frauen oder Männer auch zu Selbsterfahrung und zur Reflexion des Erlebten in der Gruppe. Dazu gehöre auch, die zu begleitenden Menschen vorurteilsfrei anzunehmen und sich selbst zurückzunehmen. „Wir sprechen vom Ausbilden einer hospizlichen Haltung“, erklärt Renftle. Das heiße auch, mit Sorgfalt, Achtsamkeit auf die Menschen zugehen, der Unsicherheit Raum zu geben, das Bedrückende zuzulassen und mitzutragen.

Der Schulungszyklus beginnt am 11. Januar 2019 und endet am 21. Juli mit dem Einsetzungsgottesdienst und der Aushändigung der Zertifikate. Die Teilnahme am Kurs ist kostenfrei. Eigene Aufwendungen in der Mitarbeit, zum Beispiel Fahrtkosten, werden erstattet.

Die erfolgreiche Teilnahme an allen drei Kursabschnitten ist Voraussetzung für die spätere Mitarbeit im Hospizteam. Bestandteil der Schulung ist auch ein 20 Stunden umfassendes Praktikum in Kooperation mit der Diakoniestation in Nürtingen, verschiedenen Pflegeeinrichtungen und der Palliativstation des Klinikums Nürtingen.

Wer sich für die Teilnahme an der Schulung entscheidet, erklärt damit, dass er oder sie sich zu einer verlässlichen Mitarbeit über mindestens zwei Jahre verpflichtet. Außerdem sollten die ehrenamtlichen Hospizbegleiter an den regelmäßig stattfindenden Gruppenabenden, zum Beispiel an der Supervision, teilnehmen.

Der Zeitaufwand für die Einsätze am Sterbebett umfasst durchschnittlich vier bis sechs Stunden pro Woche und Einsatz. „Unsere Ehrenamtlichen begleiten immer nur eine Person. Ist diese Phase abgeschlossen, folgt eine Pause bis zum nächsten Einsatz“, erklärt Renftle.

Umfassende Informationen über die ehrenamtliche Hospizbegleitung gibt es am Montag, 19. November, 19 Uhr, in den Räumen der Diakoniestation Nürtingen, Hechinger Straße 12.