Bezirkssynode beschließt neues Zuweisungssystem

Die letzte Synode des Kirchenbezirks Nürtingen in der nun bald zu Ende gehenden sechsjährigen Wahlperiode befasste sich fast ausschließlich mit dem Thema Finanzen. Auf Einladung des Vorsitzenden der Synode, Dieter Oehler und des Dekans Michaels Waldmann trafen sich die Vertreter der 28 Gemeinden des Kirchenbezirks diesmal in Neckartailfingen.
Bevor die Delegierten sich in Zahlenwerke vertieften, sprach Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes (KDV) kurz über die Arbeit der Diakonie des Landkreises. Mehr als 4300 Menschen sind bei deren verschiedenen Trägern und Einrichtungen beschäftigt. „Die Not ist besonders groß im Bereich der Wohnungen“, berichtete Haußmann. Deshalb freue er sich, dass die Diakonie eine Wohnung in Kirchheim erworben habe, die an ein alleinerziehendes Elternteil mit zwei Kindern vermietet werden soll.
Er dankte dem Gremium für die Unterstützung in den vergangenen sechs Jahren. Ein kurzer Film von Teilnehmern am Förderprogramm „Teilhabegutscheine“ war beindruckender Beweis für den Erfolg des Projekts und zugleich ein Plädoyer für dessen Fortsetzung.
Dann ging es beim Rechner des Kirchenbezirks, Jörg Bauknecht, um die Finanzen. Der Änderung einer kirchenrechtlichen Vereinbarung mit dem Kirchenbezirk Bernhausen, die bereits vor einem Jahr schon einmal auf der Tagesordnung gestanden hatte, stimmten die Synodalen einstimmig zu. Hier ging es um zwei evangelische Kindergartengruppen in Wolfschlugen, die künftig verwaltungstechnisch vom Kirchenbezirk Bernhausen mitbetreut werden und dem damit verbundenen Finanzausgleich zwischen den Bezirken.
Ebenfalls einstimmig verabschiedete die Synode den Rechnungsabschluss für das vergangene Jahr, der knapp 1,5 Millionen Euro umfasst. Bauknecht freute sich, dass die kirchlichen Finanzen „in einem guten Fahrwasser“ seien. Schon seit Jahren gebe es keinen defizitären Haushalt mehr Dank höherer Kirchensteuereinnahmen und gestiegener Kirchensteuerzuweisung. „Das wird sich allerdings auch wieder ändern“, warnte er jedoch.
Dann stellte Bauknecht den Plan für die kirchliche Arbeit und den Stellenplan fürs kommende Jahr vor, die ebenfalls einstimmig angenommen wurden.  Auch hier sind noch einmal Zuwächse bei den Finanzmitteln für die Aufgaben des Kirchenbezirks vorgesehen. Neu im Plan ist die Schaffung einer auf zwei Jahre befristeten 25-Prozentstelle für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk. Weitere Schwerpunkte legt der Haushalt auf die Bezirksarbeit, besonders den Bezirkskirchentag sowie die Arbeit des Jugendwerks, Familienarbeit und Notfallseelsorge. Am Ende freute sich Bauknecht bei einem Gesamtvolumen von über 2 Millionen Euro („Das gab´s noch nie!“) ein Defizit von nur 0,8 Prozent stehen zu haben. „Das ist die rote Null,“  so der Bezirksrechner.
Lediglich die sinkende Zahl der Gemeindeglieder machte Bauknecht und anderen Synodalen Sorgen. Auch im vergangenen Jahr sank die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche im Bezirk erneut um über 1,5 Prozent auf knapp 48 000 Gemeindeglieder. Pfarrer Harald Geyer aus Kohlberg erklärte betroffen: “Die Zahl der Austritte geht mir als langgedientem Pfarrer sehr zu Herzen“.  Dekan Waldmann war sich aber sicher, dass hier kein Zusammenhang zwischen der Zahl der Austritte und der Arbeit der Seelsorger bestehe. „Leider hat keiner ein Patentrezept dagegen“, bedauerte er jedoch. Linsenhofens Pfarrer Gerhard Bäuerle hielt dagegen, dass zwar die Gemeindegliederzahlen sänken, jedoch die Zahl derer, die sich in seiner Kirchengemeinde ehrenamtlich engagieren, ansteige.
Kontroverser diskutiert wurde die neue Bezirkssatzung mit einem veränderten Zuweisungssystem, die der Dekan der Synode zur Abstimmung vorlegte.
Bislang erhalten Gemeinden mit weniger als 1200 Mitgliedern 30 000 Euro aus dem Kirchensteuertopf des Bezirks. Gemeinden mit höheren Mitgliederzahlen erhalten 20 000 Euro. Dazu kommt eine Pauschale für jedes Gemeindeglied. So soll verhindert werden, dass kleinere Gemeinden über deutlich weniger Mittel verfügen aber trotzdem eine Infrastruktur und Gebäude ähnlich den größeren Gemeinden erhalten müssen.
„Die Schwäche des Systems ist, dass die Zahl der Gemeinden unter 1200 Mitgliedern unerwartet stark zugenommen hat“, erklärte Waldmann. „Ich habe es lange vor mir hergetragen und manchen Anlauf genommen“, so der Dekan weiter. Mit dem neuen Zuweisungssystem gebe es deutlich mehr Verteilungsgerechtigkeit, denn nun entschieden nicht mehr ein oder zwei Gemeindeglieder mehr oder weniger über die Differenz von 10 000 Euros. Ab 2021, so sieht Waldmanns Plan vor, sollen alle Gemeinden ungeachtet ihrer Größe je 35 000 Euro als Basisbetrag aus den Kirchensteuern des Bezirks erhalten. Lediglich Bodelshofen mit seinen gut 70 Gemeindegliedern bekomme nur 6 500 Euro; tausend mehr als bislang.
Fusionieren zwei Kirchengemeinden, sollen trotzdem zwei Grundbeträge weiterbezahlt werden.  „Fusionen sollen nicht bestraft, sondern gefördert werden“, will Waldmann. Lediglich bei der finanziellen Berücksichtigung der zweiten Pfarrstellen einer Gemeinde soll künftig der Rotstift angesetzt werden. „Diese zusätzlichen Kosten sind ja bereits durch die höheren Einnahmen durch die größere Gemeindegliederzahl und der daraus resultierenden Einnahmen berücksichtigt“, erklärte Waldmann.
Diese Streichung rief einen Änderungsantrag des Synodalen Dietmar Schenk aus Wolfschlugen auf den Plan. Für seine Gemeinde, so führte Schenk aus, bedeute dies ab 2021 Mindereinnahmen von 11 000 Euro pro Jahr. Man habe mit dem Pfarrplan ab dem Jahr 2024 bereits auf die zweite Pfarrstelle in Wolfschlugen verzichtet. Nun verliere man mit der Streichung der finanziellen Mittel für diese Stelle insgesamt über 40 000 Euro. „Wir haben mit dem Geld geplant und brauchen es“, betonte Schenk.
Waldmann hielt dem entgegen, dass eine andere Lösung zu große Verwerfungen für die kleineren Gemeinden zur Folge hätte. „Ich kenne keine andere Lösung für das Problem“.
Zuspruch erhielt Waldmann von Harald Geyer, der Waldmanns Plan auch für deutlich gerechter hielt: „Chapeau, Herr Waldmann!“.
Schließlich erteilte die Synode dem Änderungsantrag Schenks eine Absage und entschied mit 45 zu 2 Stimmen sowie 19 Enthaltungen für das neue Zuweisungssystem.
Bevor die Versammlung zum Abschlussgottesdienst in der neu renovierten Neckartailfinger Martinskirche aufbrach, dankte Waldmann allen Synodalen für ihre gute Mitarbeit während der vergangenen sechs Jahre. Besonderes Lob und eine Flasche Wein als Dankeschön gabs für den Vorsitzenden der Bezirkssynode Dieter Oehler. „Er hat die Synoden mit viel Einsatz und guter Hand geleitet, war immer loyal und pragmatisch und sein Gedächtnis reicht in die historischen Tiefen des Kirchenbezirks“, so der Dekan. Auch den anderen Mitgliedern des Kirchenbezirksausschusses (KBA) dankte er herzlich, ebenso wie dem Kirchenpfleger Jörg Bauknecht und der Schuldekanin Dorothee Moser, „ für die gute Zusammenarbeit“.
Moser ihrerseits ließ es sich nicht nehmen, Waldmann unter dem Applaus des gesamten Saals zu entgegnen: „Synoden können nur so gut arbeiten wie ihr Vorsitzender“. Sie dankte Waldmann für „ihre Weitsicht, ihre Kompetenz und ihre Freude, Dinge umzusetzen.“