„Jeder Mensch verdient Wertschätzung“

Maria Neuscheler, die neue Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen, freut sich auf viele Begegnungen

Maria Neuscheler hat im Dezember die Nachfolge von Renate Maier-Scheffler als Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle angetreten. Foto: ali

Von Anneliese Lieb

An ihrem neuen Arbeitsplatz wurde Maria Neuscheler herzlich aufgenommen. Die Nachfolgerin von Renate Maier-Scheffler übernimmt als Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen eine gut organisierte Einrichtung. „Die Mitarbeiter sind motiviert und ich habe den Eindruck, dass sie ihre Arbeit gern machen.“ Ein starkes Team – beste Voraussetzungen für die neue Chefin.


NÜRTINGEN. Das Aufgabengebiet ist für Maria Neuscheler nicht neu. Sie bringt 14 Jahre Erfahrung in der Schwangeren- und Suchtberatung beim Diakonieverband Reutlingen mit. Für die Leitungsfunktion in der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen fühlt sie sich durch ihr berufsbegleitendes Studium – Wirtschaftsrecht an der Fernuniversität Hagen – gut gerüstet. „Es ist sehr hilfreich, Gesetze zu lesen und auch verstehen zu können“, sagt die 43-Jährige. Das Masterstudium hatte auch wirtschaftswissenschaftliche Module, Rechnungswesen war beispielsweise ein Bereich oder Steuerrecht und Gesellschaftsrecht – „alles Dinge, die man in der Leitungsfunktion gut gebrauchen kann“. Dieses grundlegende Verständnis hilft ihr als Sozialarbeiterin, die Theorie in den Gesetzen mit einer wertschätzenden sinnvollen Arbeit zu verbinden.

Maria Neuscheler empfindet es als Glück, dass ihr in der Kindheit und Jugend so viel Respekt und Achtung entgegengebracht wurde, „dass ich die Würde tatsächlich für das höchste zu schützende Gut der Menschen und für so unantastbar hielt, wie es in unsrem Grundgesetz geschrieben steht“.

Als Sozialpädagogin im Berufsleben angekommen, stellte sie allerdings fest, dass die Wertschätzung im Umgang mit Menschen am Rand der Gesellschaft oft auf der Strecke geblieben ist – „und ein wertschätzender Umgang mit allen Menschen wohl eher als die größte Baustelle unserer Gesellschaft bezeichnet werden muss“.

„Den Menschen unter uns, denen Wertschätzung versagt bleibt, Achtung und Respekt entgegenzubringen, das ist im Kern das, wofür ich wirken möchte.“ Gerade in der kirchlichen sozialen Arbeit müsse man hier einen Schwerpunkt setzen.

Orientierung gibt Maria Neuscheler ein Buch von Ulrich Lilie. Der Theologe, seit 2014 Präsident der Diakonie Deutschland und seit 2017 Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, befasst sich in seinem Buch mit dem Titel „Unerhört“ mit dem Auseinanderdriften unserer Gesellschaft. Er fordert die Menschen auf, die Herausforderungen anzunehmen und sich auf den Einzelnen einzulassen. Keine leichte Aufgabe, räumt er in einem Interview ein, und appelliert an alle, Mitverantwortung für das Zusammenleben zu übernehmen. „Die Kommune ist der Ernstfall für die Demokratie“, sagt Lilie.

Kinderarmut, Wohnungsnot und Gewalt gegen Schwächere

Den anderen zuzuhören, das ist auch für Maria Neuscheler eine wichtige Maxime. So regt sie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Asyldiskussion an, dass Menschen, die Fremden eher zurückhaltend begegnen, sich näher mit dem Thema beschäftigten sollten. „Ängste lösen sich, wenn man zuhört und versucht, den anderen zu verstehen.“ Sie sieht sich nicht als Gutmensch: „Aber jeder Mensch verdient Respekt.“ Im Umkehrschluss dürfe man aber auch erwarten, dass Regeln und Gesetze akzeptiert und eingehalten werden.

In ihrer neuen Rolle als Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen freut sie sich auf viele Begegnungen in Nürtingen und darüber hinaus. Für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will sie jederzeit Anlaufstelle sein und ihnen Rückhalt geben, „um gute Arbeit zu ermöglichen“. Sie hat nicht vor, alles umzukrempeln. „Ich weiß, dass ich eine Stelle übernehme, die von Renate Maier-Scheffler mit viel Engagement, klug und mit Herz ausgefüllt wurde.“ Zunächst will Maria Neuscheler schauen, wie es in den einzelnen Bereichen läuft und dann im Team neue Ideen entwickeln.

Kinderarmut, Wohnungsnot und Gewalt gegen Schwächere sind Bereiche, auf die sie ein ganz besonderes Augenmerk richten möchte. Dass der Kreisdiakonieverband mit dem Schulkinderprojekt hier schon wichtige Arbeit leistet, freut die 43-Jährige, die selbst Mutter von drei Kindern ist. „Bildungschancen dürfen nicht durch Armut begrenzt werden.“ Auf das soziale Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft hinzuweisen und aufzuzeigen, dass vieles im Argen liege, auch darin sieht sie eine Aufgabe der Kirche.

Zur Person
Maria Neuscheler

Maria Neuscheler (43), die neue Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle in Nürtingen, ist in Berlin geboren.
In Reutlingen hat sie Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule studiert und im Schwabenland auch ihren Mann kennengelernt.
Sie ist verheiratet und hat drei Töchter.
Ihre Hobbys sind Musik und Sport. Sie singt in zwei Chören in Tübingen und ist Triathletin. Im Frühjahr will sie mit dem Rennrad von ihrem Wohnort Reutlingen zur Arbeit nach Nürtingen fahren.