Die Frauen neben Luther und Müntzer

Agnes Griesbach (rechts) zeigt den Einfluss von Frauen aus Anhalt während der Reformation auf. Foto: Wörn

Seit Montag gastiert im Nürtinger Rathaus eine Wanderausstellung, die das Wirken von Frauen in der Reformation aufzeigt

Nürtinger Zeitung: Larissa Wörn

Seit Montag gastiert im Nürtinger Rathaus eine Wanderausstellung, die das Wirken von Frauen in der Reformation aufzeigt

Die Frauen der Evangelischen Landeskirche haben zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 die Ausstellung „Ohne Frauen keine Reformation“ konzipiert. Diese macht seit Montagabend im Nürtinger Rathaus Station und ist noch bis zum 19. September zu sehen.

Vermutlich jeder hat in seiner Schulzeit im Geschichtsunterricht die Reformation behandelt. Allen voran war da die Rede von den großen und wichtigen Männern der Stunde: Luther, Calvin, Müntzer, Melanchthon. Und es scheint, als wären diese Herren die Einzigen gewesen, die die Reformation vorantrieben.

Dass dem nicht so ist, zeigt seit Montag eine Ausstellung, die zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation von Frauen der Evangelischen Landeskirche Anhalt erschaffen wurde, im Nürtinger Rathaus. Sie beweist, welch großen Einfluss Frauen während der Reformation hatten, indem sie Flugschriften verfassten oder Pfarrhäuser führten.

Maßgeblich an diesem Projekt beteiligt, das zwei Jahre Arbeit in Anspruch genommen hat, war Agnes Griesbach, die zudem Leiterin des Stadtmuseums Zerbst ist. Durch ihre Hilfe gelang es dem Frauenrat Nürtingen und dem Bezirksarbeitskreis Frauen Nürtingen (BAF), die Wanderausstellung nach Nürtingen zu holen. „Ich freue mich, nach mehreren Standorten in Anhalt nun auch in der Partnerstadt von Zerbst sein zu dürfen“, so Griesbach.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Montagabend mit einer Vernissage, zu der rund 50 Besucher gekommen waren. Darunter auch Oberbürgermeister Dr. Johannes Fridrich: „Ich freue mich riesig über diese Ausstellung. Ich finde wichtig, dieses Thema zu durchleuchten. Zudem ist dies ein tolles Zeichen der Freundschaft mit unserer Partnerstadt Zerbst.“

Nach einigen einführenden Worten durch Bärbel Kehl-Maurer des Frauenrats Nürtingen und Beate Haußmann vom BAF, erläuterte Griesbach selbst einige Eckpunkte der Reformationsgeschichte und der mitwirkenden Frauen.

„Die starken Frauen neben, nicht hinter, Luther und Co. – denen muss eine Bühne geschaffen werden“, sagte zudem Dekan Michael Waldmann vom evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen.

Das Wirken der Frauen in der Kirchengeschichte wird auf einem meterlangen Zeitstrahl auf drei Ebenen dargestellt. So wird zum einen die Geschichte in Anhalt und in Europa sowie die Geschichte der Bibel in Zahlen und Fakten dargestellt, beginnend mit den Frauen am Grab von Jesus – stets mit dem Fokus auf den Damen der Geschichte. Auf weiteren Aufstellern werden einzelne Biografien von bedeutenden Frauen gezeigt. „Wir wollen zum Nachdenken anregen und zeigen, was Frauen sich im Laufe der Zeit alles erkämpft haben“, fasst Griesbach zusammen. „Frauen sollten sich ihres Frauseins bewusst sein und sich frei machen von allen Klischees, die ihnen durch die Gesellschaft auferlegt werden.“

Noch bis zum 19. September ist die Ausstellung im Bürgersaal des Rathauses zu sehen, bevor am selben Tag ab 18 Uhr die Finissage stattfindet.