Diakonieladen setzt ab sofort auf Ökostrom - Einkäuferkreis hat sich mit Pandemie verändert

Der Diakonieladen setzt bei den Fahrzeugen ab sofort auf Ökostrom – Der Einkäuferkreis hat sich mit der Pandemie verändert

Der Nürtinger Diakonieladen-Leiter Christof Epple (links) und Kreisdiakonieverband-Geschäftsführer Eberhard Haußmann (rechts) sind stolz auf den neuen mit Ökostrom betriebenen Streetscooter, mit dem ab sofort die gespendeten Waren transportiert werden. Foto: Holzwarth

16.11.2020 05:30, Von Lutz Selle

Nachhaltigkeit fördern und umsetzen – das ist ein Motto des Diakonieladens, in dem gespendete Waren zu kleinen Preisen verkauft werden. Dem trägt der Kreisdiakonieverband nun auch mit den Fahrzeugen Rechnung. In Nürtingen ist jetzt ein Elektrotransporter der Marke Streetscooter für den Diakonieladen unterwegs, der mit wenigen Einschränkungen weiter geöffnet ist.

NÜRTINGEN. „Für die Schöpfung“ steht auf der Tür des neuen elektrischen Lieferfahrzeugs des Nürtinger Diakonieladens. „Wir als evangelische Kirche stehen für den Erhalt der Schöpfung und für Nachhaltigkeit“, erklärt Diakonieladen-Leiter Christof Epple. „Der Schutz der Umwelt ist uns wichtig. Diese Verantwortung möchten wir auch mit den Fahrzeugen zum Ausdruck bringen.“ Seit gut zwei Jahren arbeite die Diakonie an der Konzeption zur Umstellung der Fahrzeugflotte. Angefangen hatte der Nürtinger Diakonieladen mit der Anschaffung eines E-Bike-Lastenfahrrads Armadillo durch Spendengelder der Weihnachtsaktion „Licht der Hoffnung“ dieser Zeitung. Und nun gehöre der Diakonieladen mit zu den Vorreitern, was die Umstellung der Fahrzeuge auf Ökostrom betreffe, freut sich Epple.

„Das ist bereits unser dritter Streetscooter“, freut sich Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes im Landkreis Esslingen. Für die Diakonieläden in Kirchheim und Esslingen seien auch schon welche im Einsatz. Die in Aachen entwickelten Elektrotransporter kosten jeweils 42 000 Euro. Finanziert habe die Diakonie die Fahrzeuge mittels Spendengeldern. „Wir mussten für Nürtingen sowieso ein neues Auto anschaffen.“ Der Streetscooter kann 650 Kilogramm zuladen und kommt mit einer Ladung 120 Kilometer weit. Für große und schwerere Transporte steht noch immer ein Mercedes Sprinter zur Verfügung.

Die E-Mobilität und das ökologische Mitgestalten der Zukunft will Haußmann auch als Signal gewertet wissen, dass der Diakonieladen zum Standort in der Bahnstadt Ost passt und dort bleiben möchte. „Wir gehören hierher.“ Die zentrale Lage in Bahnhofsnähe sei wichtig, damit die Kunden den Laden auch gut erreichen können. Bis Ende 2022 könne der Diakonieladen voraussichtlich im jetzigen Gebäude an der Plochinger Straße bleiben. Danach soll es möglichst in unmittelbarer Nachbarschaft weitergehen.

Dass der Diakonieladen dringend gebraucht wird, hat sich erst vor wenigen Tagen gezeigt. Nach den Bränden in zwei Häusern der Schafstraße seien die Bewohner alle in den Diakonieladen gekommen und hätten sich eingedeckt, erzählt Epple. „Da ist ja alles verbrannt außer den Kleidern, die die Menschen auf dem Leib hatten.“

Derzeit wird im Laden mehr Kleidung gekauft als vor Corona

Seit dem ersten Corona-Lockdown, bei dem der Diakonieladen von Mitte März bis Ende April schließen musste, konstatiert Epple zwar, dass rund 30 Prozent der vorherigen Kunden nicht mehr kommen. Das Interesse ist aber keineswegs geringer als vor Corona. „Es kommen nun auch Leute aus der Mittelschicht. Vielleicht liegt das an der Kurzarbeit.“ Derzeit werde mehr Kleidung gekauft als vorher. Es würden aber glücklicherweise auch mehr Kleider beim Laden abgegeben als sonst.

Er wolle allen Spendern einmal Danke sagen, so Eberhard Haußmann. „Es sind richtig schöne Sachen dabei. Da freuen sich unsere Kunden.“ Er bittet aber auch um Verständnis dafür, dass nicht alles angenommen werden könne. „Die gut erhaltene Eichenschrankwand können wir nicht nehmen, weil wir dafür keine Käuferschicht haben. Unsere Kunden sind in kleinen Wohnungen zu Hause.“ Zudem könne die Diakonie keine Waren aufbereiten. Daher sei nur gut Erhaltenes erwünscht.

Haußmann freut sich, dass der Diakonieladen schon einmal einen Tisch dreimal verkauft hat – erstmals an einen Studenten, der den Tisch dann nach einer Weile wieder dem Laden spendete. „Das ist wirklich Nachhaltigkeit.“

Natürlich hat Corona auch im Diakonieladen für Änderungen gesorgt. Es dürfen nur noch 15 Personen gleichzeitig in die Räume. Bei der Warteschlange vor dem Eingang wird auf Sicherheitsabstände geachtet. Es gibt eine auf dem Boden mit Pfeilen aufgemalte Richtung durch den Laden. Die Kasse steht an einem anderen Platz als zuvor. Die Spendenannahme befindet sich nun direkt hinter dem Eingang, um kurze Wege zu ermöglichen. Allzu lange sollen sich die Kunden nicht mehr im Laden aufhalten, damit auch andere noch schauen und stöbern können. „Leider dürfen die Kunden nicht mehr zum Schwätzle im Laden bleiben“, sagt Epple. „Wir achten auch darauf, dass es möglichst wenig Bewegung im Laden gibt.“ Alle würden sich aber diszipliniert an die Corona-Regeln halten.