Ein einladender Ort der Begegnung mit Gott und für die Menschen

Die Oberensinger Kirche stammt aus dem Jahr 1428

Oberensinger Kirche wird nach Innenrenovierung mit ökumenischem Festgottesdienst am 15. September eingeweiht

Strahlend, hell und mit freundicher Atmosphäre präsentiert sich die Oberensinger Kirche nach Innenrenovierung. Taufstein, Altar und Kanzel bilden das zentrale Ensemble. Auch die Orgel wurde saniert.

Nürtinger Zeitung

Die denkmalgeschützte Kirche in Oberensingen aus dem Jahr 1428 hat durch die Jahrhunderte vielen Menschen Raum gegeben, Lebenswege begleitet und Hoffnung gespendet. Jetzt erstrahlt sie nach sechsmonatiger Innenrenovierung in neuem Glanz. Die Bedeutung des spirituellen Ortes und die historische Bausubstanz respektierend, wurde zudem sehr diskret moderne, zukunftsweisende Medien- und Elektrotechnik installiert und die Beleuchtung erneuert. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch die Orgel aufwändig renoviert. Mit einem ökumenischen Festgottesdienst am Sonntag, 15. September, um 10.30 Uhr, anschließendem Festakt sowie Ständerling wird sie feierlich eingeweiht. Bereits am morgigen Sonntag, 8. September, besteht aus Anlass des Tages des offenen Denkmals die Möglichkeit, das Gotteshaus von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen. Um 15 Uhr lädt der zuständige Architekt Frank Brauneisen zu einer Führung ein. Er wird Erläuterungen zum historischen Bauwerk und zur behutsamen, die Identität bewahrenden Innenrenovierung geben.

„Es war ein sehr demokratischer Prozess zusammen mit Planungsgremium und Kirchengemeinde“, beschreibt Pfarrerin Sylvia Unzeitig die Konzeption der Maßnahmen in der Oberensinger Kirche, die auch Mutterkirche von Hardt und Zizishausen ist. Sie betont: „Ich bedanke mit bei allem am gesamten Prozess beteiligen Personen. Besonders bin ich dankbar, dass wir mit Wolfgang Raisch, Architekt in Ruhe, einen Leiter des Bauausschusses in der Kirchengemeinde haben, der mit großer Besonnenheit durch alle Entscheidungsphasen geführt hat.“ Auch die katholische Kirchengemeinde wurde in die Planungen mit einbezogen, da sie in der Oberensinger Kirche ihre Gottesdienste abhält.

Nach den Gottesdiensten miteinander ins Gespräch kommen

„Unser Ziel war und ist es, einen Raum der Begegnung zu schaffen. Mit Gott, aber auch für die Menschen untereinander“, betont Pfarrerin Unzeitig. So besteht jetzt nach Beendigung des Gottesdienstes die Möglichkeit, noch zusammenzubleiben und sich bei einer Tasse Tee oder Kaffee auszutauschen. Ein flexibel nutzbarer Bereich in der Kirche bietet Raum für Ausstellungen und weitere Präsentationen.

Schon beim Eintreten bemerkt man einen angenehmen, leichten Duft. Dieser kommt von den neuen Stühlen aus geöltem Holz. Bewusst hat man sich für den Abbau der Kirchenbänke im vorderen Bereich entschieden. Die Bestuhlung erlaubt es, ohne großen Aufwand auf unterschiedliche Veranstaltungsbedürfnisse zu reagieren.

Der Steinaltar wurde vom Eingangsbereich ins Zentrum gerückt

Zentrum des Gotteshauses bildet das Ensemble aus Altar, Taufstein und Kanzel. Über diesem schwebt ein kreisförmiger Beleuchtungskörper. In dieser auf das Wesentliche konzentrierten Reduktion entfaltet sich die Bedeutung dieses Ortes. „Für die größte optische Veränderung im Chorraum sorgt tatsächlich der Steinaltar, der vom Eingangsbereich wieder ins Zentrum der Kirche gerückt wurde. Er ist auch ein Symbol für die Steinhauervergangenheit Oberensingens“, erklärt Unzeitig.

Rückzugsbereich für Eltern und Kinder

„Wo bisher der Altar im Eingangsbereich stand, ist nun Platz für Eltern und Kinder, die ein Rückzugsgebiet brauchen und dennoch etwas vom Gottesdienst mitbekommen möchten.“ Ein Lautsprecher überträgt die Predigt. Komplett bestuhlt bietet die Kirche jetzt 160 Sitzplätze. Auf der Empore mit ihren Bänken befinden sich weitere 100 Sitzplätze. Eine grundlegende Sanierung der Kirche erfolgte bereits in den 1980er-Jahren. „Die jetzige Innenrenovierung im Bereich Boden, Wände und Decke bringt kleine, feine Veränderungen“, erklärt Architekt Brauneisen. Auf den Einsatz hochwertiger, für den Denkmalschutz geeigneter Farben und Materialien wurde großer Wert gelegt. Dank dieser ist die einladende Raumwirkung und die Wohlfühlatmosphäre möglich geworden.

Die zukunftsorientierte Planung zeigt sich auch im Einbau moderner Medien- und Elektrotechnik. So befindet sich zum Beispiel in der mittleren Truhe im Chorraum eine ausfahrbare Leinwand, die zusammen mit einem Beamer an der Empore Bildbetrachtungen und Projektionen ermöglicht. „Die gesamte Anlagentechnik des Gebäudes wurde so installiert, dass sie zeitgemäßen Nutzungsgewohnheiten entspricht, sich aber unauffällig in den Baukörper integriert“, erläutert Uwe Hagmann von der H+H Planungs GmbH und zuständig für den Fachbereich Elektrotechnik. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Innenrenovierungsmaßnahme auf 410 000 Euro. „Wir sind damit unter dem kalkulierten Budget geblieben“, freut sich der Wendlinger Architekt Brauneisen, der sich ausdrücklich bei den beteiligten Handwerkern für die gute Zusammenarbeit bedankt. Zuschüsse kommen von der Evangelischen Landeskirche und vom Kirchenbezirk Nürtingen. „Die Kirchengemeinde Oberensingen selbst hat schon eine hohe Belastung zu stemmen“, so die Pfarrerin. Umso größer ist die Freude über ein renoviertes Gotteshaus, das der persönlichen Besinnung, aber auch der Kommunikation dienen soll. So ist bereits die Veranstaltungsreihe anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Hardter Friedenskirche und der Wiedereröffnung der Oberensinger Kirche mit Konzerten, Ausstellung und Filmabenden geplant. Für Pfarrerin Unzeitig ist das Ziel klar: „Wir möchten Voraussetzungen schaffen, dass unsere Gemeinde weiterwachsen kann.“