Eine Stadt aus Lego zum Kirchenjubiläum

Kohlberger feierten am Sonntag das 250-jährige Bestehen ihrer Kirche mit einem Festgottesdienst

Eine Stadt aus Lego zum Kirchenjubiläum

Nürtinger Zeitung - Mara Sander


Mit insgesamt elf Veranstaltungen bringen die Kohlberger Christen ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass vor 250 Jahren ihre evangelische Kirche und vor 50 Jahren das Gemeindehaus gebaut wurden. Bei einer dieser Veranstaltungen ist am Wochenende eine große Stadt aus Legobausteinen entstanden.
Aus unzähligen Legosteinen bauten Kinder an zwei Tagen eine Stadt nach ihren Vorstellungen. Foto: der

KOHLBERG. Präsentiert wurde die große „Lego-Stadt“ am Sonntag nach dem feierlichen Festgottesdienst mit Dekan Michael Waldmann. 40 Kinder hatten sie an zwei Tagen mit unzähligen Legosteinen erbaut. Nach Erfahrungen der Kinderzentrale der Liebenzeller Mission, für die Jörg Bartoß vor Ort in Kohlberg war, brauchen allein vier bis fünf Erwachsene etwa zwölf Stunden, um anschließend die vielen Tausend Steine wieder ordnungsgemäß einzusortieren.


Bartoß hatte zusammen mit Christine Banzhaf und Elke Bauder die Bauleitung übernommen. Sie wurden dabei von fast 20 Betreuern für die Kinder unterstützt, denen es ebenfalls Freude machte, mit Lego zu bauen. In dieser großen Stadt auf rund 14 Quadratmetern hatte Kohlberg sowohl einen Hafen mit Leuchtturm als auch schon den gewünschten Kunstrasenplatz, eine Autorennstrecke, ein großes Hotel und vieles mehr neben einer riesengroßen Stadtkirche.

„Lerngang“ durch die Ortskirchengeschichte

In der Realität hat Kohlberg eine kleine, aber feine Kirche mitten im Ort, die vor 250 Jahren eingeweiht wurde. Doch schon lange vorher gab es eine Kirche im Ort. Davon zeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1467. Pfarrer Harald Geyer hatte mit den Schulkindern einen „Lerngang“ unternommen, wie er berichtete, sodass viele Kinder wahrscheinlich jetzt mehr über die Ortskirchengeschichte wissen als ihre Eltern. Eigentlich trage die Kirche den Namen Friedrichkirche, aber da es das einzige Gotteshaus im Ort ist, spreche man allgemein von der Kohlberger Kirche, erklärte er.

In dieser vor 250 Jahren gebauten Kirche als Ersatz für das zu klein gewordene, damals baufällige Gotteshaus wurden bisher etwa 15 000 Gottesdienste von 18 Ortsgeistlichen gefeiert. Seit 1520 hat Kohlberg eine eigene Pfarrei. Wichtig sei vor allem auch das Innenleben der Kirche, so der Geistliche, wobei die Jubiläumsaktivitäten dabei ein Beweis dafür sind, dass Kohlberg eine lebendige Gemeinde hat.

„Tolles Jubiläumsprogramm“, sagte Dekan Michael Waldmann, der die Festpredigt hielt. Er machte bewusst, dass die Kirche als Gebäude zwar ein „Ort zur Verkündung des Evangeliums und Darreichung der Sakramente“ sei, ein Ort, um im „Marktplatz der Welt“ eine verlässliche Möglichkeit zu haben, sich auf Gott zu besinnen, aber grundsätzlich solle das Evangelium überall im Alltag verkündet und gelebt werden. Es sei aber wichtig, in der alltäglichen Geschäftigkeit die Möglichkeit zur Unterbrechung zu haben. Das gelinge im Kirchenraum, dessen Gestaltung Symbol für Gottes Gegenwart sei, natürlich besonders gut. Gott sei aber überall vorhanden, nicht nur in dem Gebäude.

Mit dem Thema „Wo wohnt Gott?“ befasste sich Bürgermeister Rainer Taigel in seinem Grußwort. Er brachte Beispiele aus der Bibel für die Wünsche nach einem Gotteshaus. Taigel berichtete, dass 1464 zum ersten Mal eine Kapelle erwähnt wurde, „die dem Leutpriester zu Nyffen als Filialkirche unterworfen war“. Angeblich wurde die Kirche nur in seltenen Fällen vom „Nyffener Leutpriester“ besucht, „vielmehr waren die Kohlberger verpflichtet, an Sonntagen und anderen Feiertagen in die Pfarrkirche nach Nyffen zu gehen“, so Taigel: „Da aber die Straße unwegsam, die Entfernung namhaft, auch die Winterzeit reichlich ausgedehnt war, so unterblieb der Kirchenbesuch oft.“

Darum brauche eine Gemeinde einen Raum, in dem Begegnung, Anbetung, Gemeinschaft und Gottesdienst stattfinden können, in dem man beten und nachdenken, trauern, aber auch feiern könne. Er ging auf die Digitalisierung und virtuelle Kirchenräume ein und wünschte „der Kirche, und damit meine ich weniger das Gebäude, sondern vielmehr die Menschen, in allen Herausforderungen der Zukunft Weisheit, Inspiration und Mut sowie über allem Gottes Segen und Gelingen“.



Info
Die weiteren Veranstaltungen

Die nächsten Veranstaltungen im Rahmen des Kirchenjubiläums sind: Heute, Montag, 17. September, um 19 Uhr eine Schauübung der Feuerwehr Kohlberg an der Jubiläumskirche; Dienstag, 18. September, um 14.30 Uhr Seniorennachmittag im Gemeindehaus mit Anekdoten und Geschichten zum Jubiläum; Donnerstag, 20. September, von 9 bis 11 Uhr Frauenfrühstück im Gemeindehaus; Sonntag, 23. September, um 11 Uhr „Kirche im Grünen“ auf dem Jusi und um 18 Uhr Konzertlesung mit Samuel Koch und Samuel Harfst in der Jusihalle.