ARD-Dreharbeiten im Nürtinger Fela

Für die Deutsche Fernsehlotterie filmte ein Produktionsteam einen Tag lang an der Versöhnungskirche in der Braike

Kampf um den Ball: Beim Völkerball ging es ordentlich zur Sache. Fotos: Holzwarth

19.08.2020 05:30, Von Matthäus Klemke

Ungewohnter Besuch im Evangelischen Ferienlager an der Versöhnungskirche: Gestern begleitete ein Fernsehteam die Kinder und Betreuer im Fela. Gedreht wurde ein Beitrag für die Deutsche Fernsehlotterie, der kurz vor der Tagesschau ausgestrahlt werden soll.

NÜRTINGEN. Gleich ist es so weit, in wenigen Augenblicken beginnt das große Völkerball-Spiel auf der Wiese hinter der Versöhnungskirche. Die Jungen und Mädchen haben sich um Fela-Leiterin Evi Handke versammelt. Alle Blick sind auf den Ball in ihren Händen gerichtet. Wie richtige Profis versuchen die Kinder den Kameramann, der mitten auf dem Platz liegt, zu ignorieren. Dann fliegt endlich der Ball.

„Super, jetzt machen wir das Ganze noch einmal“, lobt der Mann mit der schweren Kamera auf der Schulter die Kinder. Beim Fernsehen braucht es eben mehrere Anläufe, bis alles im Kasten ist. Schon den ganzen Vormittag begleitet das Fernsehteam die Kinder und ihre Betreuer und filmt sie beim Spielen und Herumtoben.

130 000 Euro für Sanierung der Versöhnungskirche

Gedreht wird ein Beitrag für die ARD-Fernsehlotterie. Die hat das interkulturelle Begegnungs- und Bildungszentrum an der Versöhnungskirche in der Braike mit 130 000 Euro gefördert. „2018 haben wir uns für die Fördergelder beworben und sind sehr froh, ausgesucht worden zu sein“, sagt Dekan Michael Waldmann.

Die durch den Losverkauf der Deutschen Fernsehlotterie eingespielten Zweckerträge fließen in soziale Projekte in ganz Deutschland. „Es ist ein aufwendiges Bewerbungsverfahren“, erinnert sich Waldmann. Gelohnt hat es sich allemal. Die 130 000 Euro sind in den Umbau und die Sanierung der Versöhnungskirche geflossen. „Das hat zehn Prozent der Gesamtkosten ausgemacht“, sagt Pfarrer Markus Frank. „Ohne diese Förderung wäre es schwer geworden.“ Um aus der Versöhnungskirche ein modernes Zentrum der Begegnung für junge Menschen zu machen, wurden unter anderem der Kirchenturm und die große Küche saniert, Wasser- und elektrische Leitungen erneuert und der große Gemeinschaftssaal modernisiert.

In kurzen Werbefilmen zeigt die Fernsehlotterie abends vor der Tagesschau, wie die Gelder aus dem Losverkauf vor Ort eingesetzt werden. „Es sind kleine Werbefilme und sie haben sich unser Projekt dafür ausgesucht“, freut sich Dekan Waldmann, der im Laufe des Tages für ein Interview auch noch vor die Kamera treten wird. Im Mittelpunkt stehen heute aber ganz klar die Kinder.

Szenenwechsel: Vom Völkerball-Feld geht es an die Werkbank. Auch hier wird heute gefilmt. Obwohl die Tonangel mit dem riesigen Mikrofon direkt vor der Nase der Kinder baumelt, wirkt niemand wirklich nervös. Ist auch nicht das erste Mal, dass sie vor der Kamera steht, erzählt ein Mädchen stolz. Sogar im Fernsehen war sie schon mal und möchte Schauspielerin werden, wenn sie älter ist.

Aber die Kleinen lernen auch, dass die Arbeit vor der Kamera nicht immer ganz so einfach ist, wie es später im Fernsehen aussieht. Etwas komplizierter wird es nämlich, als sich vier Mädchen und Jungen um Fela-Leiterin Evi Handke versammeln sollen. „Ihr guckt zuerst Evi an und dreht euch dann mit dem Gesicht zur Kamera“, lautet die Anweisung von Regisseur Jonas Nahnsen. Doch die Sonne blendet und eine Mütze dürfen die Kinder nicht tragen, die würde nämlich Schatten auf die Gesichter werfen. „Und noch einmal“, sagt Nahnsen immer wieder. Nach jeder Aufnahme reiben sich die Kinder die Augen – bis die Szene endlich abgedreht ist und es wieder zurück zum Völkerball-Match geht.

Das Produktionsteam „Nordicteam“ – das für unterschiedlichste Fernsehformate Beiträge dreht – ist für die Dreharbeiten in Nürtingen speziell aus Kiel angereist. „Wir haben schon einige Beiträge für die Deutsche Fernsehlotterie gedreht“, sagt Regisseur Nahnsen. „Die Bandbreite der sozialen Projekte ist groß, Dreharbeiten mit Kindern kommen aber seltener vor. Da ist natürlich eine ganz andere Energie drin. Das ist schon ein kleiner Höhepunkt für uns“, freut sich Nahnsen über die Herausforderungen beim Dreh. So braucht es zum Beispiel bei Interviewaufnahmen möglichst viel Ruhe, gar nicht so einfach bei 60 tobenden Kindern im Hintergrund. Doch die kleinen Hauptakteure machen ihre Sache gut, das Team ist am Ende des Tages zufrieden.

Insgesamt acht Stunden sind die Fernseh-Leute am Dienstag zu Gast im Ferienlager. „Und gestern waren wir auch schon da, um die Lagerfeuerszene zu drehen“, sagt Nahnsen. Viel Aufwand für einen anderthalbminütigen Beitrag. Der soll in ungefähr sechs Wochen um 19.58 Uhr sonntags vor der Tagesschau laufen.