Ein Trost in Zeiten leerer Opferstöcke

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürtingen belegt beim Fundraisingpreis der Landeskirche den zweiten Platz

Klaus Hauber, Mesner an der Nürtinger Stadtkirche, präsentiert das ernüchternde Ergebnis der Opferstockleerung. Foto: privat

05.05.2020 05:30,

NÜRTINGEN (pm). Seit bereits sieben Wochen finden aufgrund der Corona-Pandemie in den Nürtinger Kirchen keine „normalen“ Gottesdienste mehr statt. Dies bedeutet damit auch, dass die Opfer, die sonst bei jedem Gottesdienst gegeben werden, wegbrechen.

In den Kirchen, die derzeit täglich für die Gläubigen zur Einkehr und zum stillen Gebet geöffnet werden, können zwar noch Opfer gegeben werden – aber dies ist selbstverständlich nur ein Bruchteil von den sonstigen Beträgen. Klaus Hauber, Mesner an der Stadtkirche St. Laurentius, nach dem Leeren der Opferstöcke: „Ich leere diese jetzt nach circa fünf Wochen wieder zum ersten Mal. Wo sonst nach jedem Gottesdienst ein gut gefüllter Korb zusammenkommt, ist derzeit der Boden des Körbchens kaum bedeckt.“

In solchen Zeiten freut es die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürtingen daher umso mehr, dass sie für ihr erfolgreiches Projekt „Online-Spendenwerbung“ bei dem ausgeschriebenen Fundraisingpreis der Landeskirche den mit 800 Euro dotierten zweiten Platz in der Kategorie „Einzelmaßnahmen“ erhalten hat. Bei diesem Projekt geht es um die Einwerbung von Spenden für verschiedene Projekte der Gesamtkirchengemeinde über die diversen Homepages der Projekte und Einrichtungen. So kann zum Beispiel für das Ferienlager direkt auf der Homepage des Ferienlagers online mit verschiedenen Zahlungsarten gespendet werden.

Online gespendet werden kann auch für den Diakonieverein, die Musik an der Stadtkirche, die Vesperkirche, die Stadtkirchenstiftung, den Gemeindebrief, die Jugendarbeit, das Teilen im Roßdorf, den Gemeindebeitrag und das Bauprojekt Versöhnungskirche.

Das Online-Fundraising der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Nürtingen erbrachte im Jahr 2018 elf Spenden mit zusammen 1570 Euro, im Jahr 2019 zwölf Spenden mit zusammen 2350 Euro und im Jahr 2020 (Januar bis April) zwölf Spenden mit zusammen 880 Euro.

Um den Fundraisingpreis 2020 der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hatten sich 24 Kirchengemeinden mit Spendenaktionen aus den vergangenen drei Jahren beworben. In drei Kategorien – „Einzelmaßnahmen“, „Gesamtkonzept“ und „Stiftung“ – wurden je drei Preisträger ermittelt. In jeder Kategorie gab es für die Erst- bis Drittplatzierten jeweils 1200, 800 und 400 Euro.

Die Aktion „7 Wochen ohne Kleingeld“ der Evangelischen Kirchengemeinde Baltmannsweiler hat den mit 1200 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie „Einzelmaßnahme“ belegt. Die Gemeinde hatte die Mitglieder im Jahr 2018 dazu aufgerufen, zugunsten der Kirchenrenovierung sieben Wochen lang kein Kleingeld auszugeben, sondern die Münzen so lange zu horten, bis deren Gesamtgewicht dem Körpergewicht des örtlichen Pfarrers entspricht. Eine Balkenwaage half bei der Gewichtsbestimmung. Ergebnis: Der Pfarrer wiegt so viel wie 1655 Euro Münzgeld sowie einige Dutzend „Steine für Scheine“. Platz drei in der Kategorie „Einzelmaßnahme“ erzielte der „XXL-Jenga-Turmbau“ in Talheim bei Mössingen.

In der Kategorie „Gesamtkonzept“ kam ein Projekt der Kirchengemeinde Weissach (Landkreis Böblingen) auf den ersten Platz. Die Plätze zwei und drei belegten die Kirchengemeinde Bieselsberg (Landkreis Calw) und die Kirchengemeinde Ohmden.

In der Kategorie „Stiftung“ nimmt die Reutlinger Kreuzkirchengemeinde den ersten Platz ein. Platz zwei belegte die Stiftung der Kirchengemeinde in Nufringen (Landkreis Böblingen), Platz drei die Stiftung Stadtkirche St. Bernhard Winnenden (Rems-Murr-Kreis).

Die Preisverleihung ist – aufgrund der derzeitigen Situation – voraussichtlich für den Sommer vorgesehen.