„Gelungenes Konzept, ich freu’ mich drauf“

Es ist still geworden um das geplante Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde in Wendlingen. Doch dieser Schein trügt. Intern wird das Vorhaben vorangetrieben. Wie weit die Planungen mittlerweile gediehen sind, darüber konnten sich die Mitglieder der Kirchengemeinde am Donnerstag informieren.

Bei dieser Ansicht auf der Südseite des geplanten Gebäudes ist rechts der Bereich des Gemeindezentrums und links der Teil von der Bruderhausdiakonie zu sehen. Grafik: Drei Architekten

Bei dieser Ansicht auf der Südseite des geplanten Gebäudes ist rechts der Bereich des Gemeindezentrums und links der Teil von der Bruderhausdiakonie zu sehen. Grafik: Drei Architekten

20.10.2018, Von Gaby Kiedaisch

Ein Zwischenstand über die weiteren Planungen für das gemeinsame Gebäude von Kirchengemeinde und Bruderhausdiakonie

WENDLINGEN. Es herrschte eine einträchtige Stimmung im Großen Saal des Treffpunkts Stadtmitte. Das Interesse der Kirchengemeindemitglieder hätte allerdings mit circa 50 Personen zahlenmäßig etwas höher sein können. Nachdem sich das gemeinsame Projekt von Kirche und Bruderhausdiakonie allerdings bereits seit vielen Jahren hinzieht, hat sich die Euphorie wohl etwas gelegt, zumal das Vorhaben noch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Nichtsdestotrotz: am Donnerstag wurde die aktuelle Planung erstmals außerhalb des Kirchengemeinderats präsentiert.

Behindete Menschen – „In der Mitte der Gesellschaft“

Hans-Georg Class, Vorsitzender des Kirchengemeinderats, hatte im Rahmen der Begrüßung auch die Kritiker des Vorhabens eingeladen, sich an den Planungen für einen wertigen Ersatz der Johanneskirche zu beteiligen. Für die vielen Gruppen und Kreise in der Kirche kann dagegen die Umsetzung des neuen Gemeindezentrums nicht schnell genug gehen. Sie sind großer Hoffnung, dass nun die nächsten Schritte endlich vorwärts gehen.

Entgegen der Auffassung von vor 50 Jahren, behinderte Menschen in einem geschützten Rahmen zu betreuen, sind heute Inklusion und Teilhabe das Ziel. „Den Menschen so annehmen, wie er ist“, sagte Sonja Weiblen, das war auch schon dem Gründer der Bruderhausdiakonie, Gustav Werner, ein Anliegen. Deshalb gehörte schon damals zum Konzept der Einrichtung: Arbeit und Ausbildung für behinderte Menschen gemäß dem Leitspruch: „Teil haben – Teil sein“.

„Mit dem Projekt in Wendlingen wollen wir für 23 oder 24 Menschen mit Behinderung ein Zuhause schaffen“, sagte die Geschäftsfeldleiterin Behindertenhilfe bei der Bruderhausdiakonie über die künftigen Bewohner, die im selben Gebäude wie das Gemeindezentrum der Kirche untergebracht werden sollen. Dort soll es eine 24-Stunden-Betreuung geben. Nach dem jetzigen Stand sind neben zehn bis zwölf Appartements auch zwei Wohnungen für jeweils sechs Personen geplant, die einen höheren Bedarf an Zuwendung als die anderen benötigen. Zusätzlich gibt es eine Tagesbetreuung, wobei damit auch die Begegnung mit anderen Menschen bewusst gewünscht ist zum Beispiel im „Garten der Begegnung“ oder im „Forum der Möglichkeiten“.

Die Reaktionen aus dem Publikum auf den Planungsvorentwurf, den der Architekt Rainer Streule präsentierte, waren positiv. Sie gehe mit einem positiven Gefühl nach Reutlingen zurück, äußerte sich Sonja Weiblen am Ende der Veranstaltung. Es habe keine kritische Stimme gegeben, ganz im Gegenteil, die Menschen hätten empathisch reagiert, so wie diese Stimme: „Wie gut, dass Menschen mit Behinderung heute sichtbar werden“.

Unterstützt mit grafischen Darstellungen des Gebäudes umriss der Architekt das Vorhaben. Die Planungsgemeinschaft Drei Architekten hatte vor drei Jahren den Wettbewerb für das Gebäude mit Gemeindezentrum und Behinderteneinrichtung gewonnen. Im letzten Jahr war das Büro wieder in die vertieftere Planung eingestiegen. Eine Bauvoranfrage auf Befreiung des Bebauungsplans war im März negativ beschieden worden. Dafür muss von der Kommune erst der Bebauungsplan geändert werden, und das benötigt Zeit, erläuterte der Architekt den weiteren Fortgang.

Streule ging jedes der vier Stockwerke einzeln durch und erklärte in seinem Vortrag die bisherige Raumaufteilung, wo Aufzug, der große Saal, Büros, Aufenthaltsbereiche, Besprechungsräume Küchen, der Raum für Senioren oder das Lager geplant sind. Mit der Verfeinerung der Gebäudeplanung will man nun auf den Keller verzichten, womit sich zum einen die Kosten reduzieren, zum anderen die Bauzeit verkürzt. 18 Monate werden dafür veranschlagt. Erhalten will man die Eingangstüre der heutigen Johanneskirche. Sie soll auch im neuen Gebäude das zentrale Eingangsportal bilden. Genauso wird mit den bunten Kirchenfenstern verfahren, die ebenfalls ihren Platz im neuen Gemeindezentrum finden sollen. Und die markante Natursteinfassade soll die Außenfassade des Gebäudeteils mit dem Gemeindezentrum schmücken. Laut Rainer Streule ist sie in einem sehr guten Zustand, nur etwas schmutzig, was sich leicht wieder auffrischen lässt. Der Tuffstein wird auch im Gebäudeteil der Bruderhausdiakonie als Sockel Verwendung finden, ein verbindendes Element für beide Gebäudeteile. „Eine Reminiszenz an die Johanneskirche“, so der Architekt.

Nach der Vorstellung waren die Meinungen der Kirchenmitglieder und Bürger gefragt. Was gefällt, was weniger? Weitere Ideen konnten eingebracht werden. Beispielsweise war gewünscht, die Galerie im großen Saal zu überdenken und weitere Elemente aus der Johanneskirche im neuen Haus zu integrieren. Ein Bürger nutzte die Pinnwand, um seine Meinung zum geplanten Haus anzuheften: „Ein gelungenes Konzept“, stand da, „ich freu’ mich drauf.“

Allerdings wird es nicht ganz so schnell gehen: laut Architekt Rainer Streule gibt es „mehrere Fallstricke“. Der größte: derzeit wird die Förderrichtlinie für die Unterbringung von Behinderteneinrichtungen in Baden-Württemberg erneuert. Das wird noch etwas dauern. Vorher wird das Bauvorhaben für die Bruderhausdiakonie nicht bewilligt. Nach dem jetzigen Stand wird der Neubau nicht vor 2022 bezugsfertig sein. „Wenn es schneller ginge, das wäre schön“, zeigten sich Hans-Georg Class und Pfarrer Stefan Wannenwetsch am Donnerstagabend skeptisch.

In den nächsten Tagen werden die Pläne auf der Homepage www.evk-wendlingen-neckar.de unter „Bauprojekt Gemeindezentrum“ eingestellt.